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Versöhnung mit Gott?

"Ich weiß nicht, was ich beichten soll!"

Wir vergessen in der Hektik des Alltags eine Verabredung. Wir halten Versprechen nicht ein. Wir alle machen Fehler und versuchen, sie nach Kräften auszubügeln. Schuld ist dagegen fast ein Fremdwort! Von "Schuld" reden wir noch im Zusammenhang mit Bankgeschäften. An einem Fehlschlag in der Firma schuld zu sein, für die man arbeitet, bringt Schwierigkeiten; wir müssen erfolgreich sein; schuld sind unvorhergesehene Umstände oder weniger begabte Mitarbeiter. Es gibt in unserem alltäglichen Erfahrungsbereich praktisch kein Beispiel, in dem "Schuld" nicht Nachteile nach sich ziehen würde. Da das gebrannte Kind das Feuer scheut, wenden wir instinktiv alles auf, um nicht zu denen zu gehören, die Schuld haben, zu denen, die versagt haben, oder zu denen, die durch Fehler angreifbar geworden sind. Vor uns selbst müssen wir manchmal schon zugeben, Vertrauen mißbraucht zu haben. Es stimmt schon: da und dort behandeln wir andere nicht wie Menschen, sondern wie leblose Sachen, zu unserem Vorteil, nach unserem Belieben. Wir bemerken durchaus, wenn wir andere in berechtigten Erwartungen enttäuschen. Aber weil uns doch etwas am anderen liegt, versuchen wir, "es" wiedergutzumachen: "es", nicht etwa "sie", die Schuld!

Wiedergutmachen zu wollen heißt: man möchte es anders - besser! - machen, als zuvor. Wir zeigen uns so bereit, Verantwortung zu übernehmen. Das ist sehr wichtig, weil es mit Umkehr zu tun hat. Das, was wir anderen angetan haben, interessiert vielleicht keinen Menschen. Aber es interessiert Gott! Er steht immer auf der Seite dessen, dem Unrecht geschehen ist. Wir können Menschen mit einer Geste versöhnen, wir können nach einem Streit um Entschuldigung bitten; das ist gut und wichtig! Gott steht aber so sehr auf Seiten derer, denen Unrecht geschieht, daß er selbst gewissermaßen mitleidet. Soll er in seiner Parteinahme für die Benachteiligten kein Wort wert sein? Soll er, der sich mit den Benachteiligten geradezu identifiziert, keinen Anspruch auf eine gute Geste haben?
Gott kann auch selbst unmittelbar derjenige sein, dem Unrecht zugefügt wird. Wenn die Beziehung zu einem Lebens-Partner so versteinert, daß man ihn übersieht und nicht mehr mit ihm spricht, ist jedem klar: da muß etwas geschehen! Soll Gott, unser Lebens-Partner schlechthin, mit weniger abgespeist werden, als wir jedem Menschen zubilligen würden?

Wenn wir versuchen, Unrecht wiedergutzumachen, stoßen wir auf Grenzen. Ein Sprichwort sagt zu recht: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht". Wir können um Verzeihung bitten, wenn wir über jemand etwas Unwahres verbreitet haben; das enttäuschte Vertrauen wiederherzustellen, ist viel schwieriger, sofern das überhaupt gelingt. Das, was wir Unrechtes tun, hat Folgen, die wir oft nicht bedenken. Manchmal gleiten diese Folgen uns aus den Händen; sie können nicht mehr dadurch aus der Welt geschafft werden, daß wir uns entschuldigen oder einen Schaden wiedergutmachen. Können wir auch dafür die Verantwortung tragen? In dieser menschlich hoffnungslosen Situation läßt Gott uns nicht allein. Die Versöhnung, die Gott schenkt, setzt
einen neuen Anfang. Sie befreit nämlich nicht nur von der Schuld als solcher, sondern durchbricht auch den Teufelskreis der sich weiterfressenden Folgen.

Gott wartet nicht darauf, daß er -endlich- eine Kleinigkeit findet, die er uns vorhalten kann. Ihm kommt es darauf an, eine Beziehung zu jedem von uns aufzubauen, sie zu festigen und lebendig zu erhalten. Im Licht dieser Beziehung können wir miteinander erst wirklich menschlich umgehen. Versöhnung mit Gott stellt diese Beziehung auf neue Füße. Von seiner Seite steht das außer Frage. Und von unserer Seite?

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