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Gott - ein bloßer Begriff oder lebendige Wirklichkeit

"Gott kommt in meinem Leben nicht vor"!

Unser Alltag scheint wenig mit Gott zu tun zu haben. Wir müssen arbeiten, Erwartungen erfüllen, Leistungen erbringen. Gebraucht werden Ergebnisse, nicht wir selbst. Immer mehr Menschen leiden darunter, daß sie deshalb als Mensch auf der Strecke bleiben! Der tägliche Trott läßt kaum Freiräume. In der Freizeit genießen wir es, endlich einmal keinen Forderungen ausgesetzt zu sein. Sie wird zur kleinen Flucht vor allem, was im Alltag Kräfte verzehrt. Man will jetzt endlich Mensch sein!
Die meisten reagieren deshalb allergisch, wenn an ihre Freizeit Ansprüche gestellt werden. Dabei setzen sich viele selbst am meisten unter Druck. Einige scheinen möglichst viele Kilometer vom Alltag weg zurücklegen zu wollen. Andere hetzen von Verabredung zu Verabredung, ohne jemand wirklich zu begegnen. Andere erleben, wie fremd die Menschen der nächsten Umgebung geworden sind. Man will endlich Mensch sein - und erlebt doch nur in Neuauflage, wie wenig man als Mensch zu Wort kommt.
Unser Alltag scheint wenig mit Gott zu tun zu haben. In der Woche muß er allen möglichen Verpflichtungen weichen; von unserer Freizeit wird er möglichst fern gehalten, um neuen Forderungen zu entgehen: Teilnahme an der Eucharistiefeier, die Botschaft nicht nur hören, sondern tun!

Gleichzeitig sehnen sich alle nach einem wirklichen, erfüllten Menschsein. Aber wo ist im Alltag der Ort, an dem sich unser Leben so entfalten kann?
Die einen wollen diese Sehnsucht aus eigener Kraft stillen. Aber erfülltes Menschsein ist nicht wie ein Auto "produzierbar"; nur ein "Du" kann uns annehmen, ernst nehmen, lieben. Gott kommt durchaus im Leben vor: wie ein Ziel, das anvisiert und doch verfehlt wird. Neuorientierung tut not! Andere wissen sich in einer (be-)glückenden Beziehung angenommen, bestätigt, geliebt; sie blühen regelrecht auf. Viele erkennen im menschlichen "Du" eine Spur Gottes: einen Wiederschein seiner Nähe und Liebe. Die tiefe Erfahrung menschlicher Gemeinschaft zwingt jedoch nicht dazu, Gott in unser Leben einzulassen. Manchen wird der Partner zum einzigen Garanten, sich (nach Bedarf?) angenommen und bestätigt zu fühlen. Dann hält das Leistungsprinzip Einzug in die Beziehung. Wie leicht überfordert die erwartete "Leistung" den anderen! Wie viele Beziehungen zerbrechen unter übergroßem Erwartungsdruck! Kein Mensch kann allein einem anderen erfülltes Menschsein garantieren. Gott kommt durchaus im Leben vor: wie eine namenlose -weil unerfüllte- Hoffnung. Wer das erkennt, ist eingeladen, seiner Hoffnung einen Namen zu geben: Du, Vater!

Es gibt noch andere Erfahrungen mit Gott! Ein alttestamentlicher Beter hat gespürt, daß menschen-würdiges Leben nur begrenzt "gemacht" werden kann; er weiß sich beschenkt und hat keine Zweifel, wem er diesen Reichtum verdankt:
"All meine Quellen entspringen in dir!"
"Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!"
"Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell!"
Gott hinterläßt Spuren in unserem Alltag. Wir brauchen nicht weit zu suchen, sondern nur die Augen zu öffnen, um sie direkt vor unseren Füßen zu sehen. Denn Gott ist uns nahe, näher als jeder Mensch und näher als wir uns selbst!

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