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"Glaube, Sakramente und Gebet haben mir immer viel bedeutet. Seit einiger Zeit läßt mich das aber alles kalt."

Ich vermute, Ihnen ist bewußt geworden, daß Ihr an sich fruchtbares Glaubensleben gleichsam versickert ist - eine sehr schmerzliche Erfahrung für einen gläubigen Menschen.

Wenn wir in Urlaub fahren, in eine neue Umgebung kommen, erscheint alles interessant. Es gibt etwas zu entdecken, auszuprobieren, wir sind ansprechbar. Aber man gewöhnt sich rasch an das Neue; die Tage beginnen sich bald zu gleichen. Wenn sich Menschen kennenlernen, erschließen sie sich in der Begegnung gegenseitig; das ist faszinierend, bis man den anderen zu kennen glaubt. Viele Beziehungen erleben dann eine Krise. Sie wird überwunden, wenn wir beginnen, auf leisere Töne zu hören, einen Weg ohne Sensationen miteinander zu gehen, uns von den Bildern, die wir uns von anderen Menschen machen, zu lösen.

Im Verhältnis zu Gott können wir ähnliche Beobachtungen machen. Wir erfahren Gott als prägende Kraft in unserem Leben und glauben deshalb, ihn zu kennen. Wir begegnen Gott im Wort, im Sakrament und im Gebet und bilden uns ein, ihn dort "greifen" zu können - wie einen Gegenstand, von dem wir wissen, wo wir ihn abgelegt haben. Meßbesuch und Gebet sind gute Gewohnheit. Sie birgt aber die Gefahr, zur hohlen Routine zu verkommen: Routine rechnet mit nichts Neuem; die Messe wird "abgesessen", ein Gebet "hinter sich gebracht". Diese Haltung ist treffend als eine "Verhärtung im Guten" bezeichnet worden. Irgendwann müssen wir uns dann von Gott sagen lassen: "Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, ihr Herz aber ist weit weg von mir" (Mk 7, 6; Jes 29, 13).

Gott läßt sich von menschlicher Routine nicht gefangennehmen; er ist bahnbrechend! Eine der beeindruckendsten dieser Erfahrungen macht Israel, als Gott sein Volk aus dem hoffnungslosen Sklavendasein in Ägypten befreit: Exodus, Herausführung. Den Propheten Elija ruft Gott auf einen neuen Weg, als er an seiner ausweglosen Situation verzweifelte (1 Kön 19, 4 ff). Das Damaskuserlebnis des Apostels Paulus ist eine neutestamentliche Erfahrung dieser Art. Den verschiedenen "Herausführungen" liegt Gemeinsames zugrunde: Menschen lernen, loszulassen. Sie lernen, sich von Gott neu ansprechen zu lassen! Sie legen Scheuklappen ab, verlassen eingefahrene Gleise und trauen Gott zu, daß er Möglichkeiten bereithält, wo wir schon längst keine mehr gesehen hätten.

Diese Erfahrungen werden nicht "gemacht", sondern von Gott zu-gesprochen; sie sind unbequem, aber ungeheuer fruchtbar!

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