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Ich bin über 70 Jahre alt. Was kann ich schon zur Weitergabe des Glaubens beitragen?

Sie fühlen sich vom Auftrag Jesu angesprochen, den Glauben anderen zu vermitteln. Das allein ist schon sehr viel. Manche meinen nämlich zu Unrecht, diese Aufgabe an "Spezialisten" abschieben zu können. Tatsächlich aber ist jeder Getaufte zu Beiträgen gerufen.

Eine andere Frage ist, welche Beiträge für den Einzelnen möglich oder die richtigen sind. Manche Menschen werden z. B. durch ihre Predigten, durch ihren missionarischen Einsatz oder durch mitreißenden Religionsunterricht zu Zeugen Christi. Sie tragen durch einen bestimmten Dienst, ein Tun, zur Verbreitung des Glaubens bei. Aber gerade bei solchen Menschen fällt auf, daß die Botschaft, die sie verkünden, zuerst tiefe Spuren in ihrem eigenen Leben hinterlassen hat. "Ein Lebemeister ist besser als tausend Lesemeister"; dieses Wort von Meister Eckhart verweist auf die beredte Predigt unseres alltäglichen Lebens. Dafür ist man nie zu jung oder zu alt, zu gesund oder krank, zu erfahren oder unerfahren.

Bedingt durch unsere gesellschaftlichen Verhältnisse finden diejenigen Beachtung, die etwas tun und sichtbare Erfolge haben: Geschäfte werden gemacht, Probleme werden gelöst, eine Lebensstellung wird aufgebaut. Im Glaubensbereich stößt dagegen die Faszination des "Machens" an Grenzen: Kirche wird nicht gemacht, Kirche sind wir durch Christus. Glauben wird nicht erzeugt, sondern geschenkt. Das schließt selbstverständlich nicht aus, daß sich Menschen auf bestimmte Dienste vorbereiten und sie auch übernehmen. Wer sich trotz der vielfältigen Möglichkeiten in der Gemeinde dazu nicht (mehr) in der Lage sieht, ist dennoch nicht davon ausgeschlossen, für die Weitergabe des Glaubens zu wirken; die Beiträge wandeln lediglich ihr Aussehen.

Im Hebräerbrief heißt es: "Aufgrund ihres Glaubens empfing selbst Sara die Kraft, trotz ihres Alters noch Mutter zu werden" (Hebr 11, 11; vgl. Gen 18, 10-14). In einem geistlichen Sinn dürfen wir sagen: Niemand ist zu alt, um in Glaubensdingen fruchtbar zu sein! Es ist ein sehr beredtes Glaubenszeugnis, mit ruhiger Gewißheit zu den eigenen Glaubenserfahrungen zu stehen, mit Selbstverständlichkeit zu beten, an der Messe teilzunehmen, solange die Gesundheit den Gang zur Kirche zuläßt, oder in Krankheit Trost und Geduld zu finden. Durch solche Beiträge kann man genauso zur geistlichen Mutter oder zum geistlichen Vater anderer werden, wie es Jüngere durch christliches Engagement werden. Vielleicht helfen die Erfahrungen vorgerückten Alters anderen vorzuleben, was es bedeutet, weniger auf die eigene Kraft als vielmehr auf die Kraft Gottes zu bauen; das ist als Glaubenszeugnis unersetzbar.

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