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Was bewirkt der Schlußsegen der Hl. Messe?

Was "Segen" bedeutet, macht man sich am leichtesten klar, wenn man an unseren guten Wünschen für andere anknüpft. Wir gratulieren jemand zum Geburtstag und wünschen ihm alles Gute. Einem Kranken wünschen wir gute Besserung. Damit bringen wir eine Beziehung zum Ausdruck: Du bist mir nicht gleichgültig! Ich nehme Anteil daran, wie deine Zukunft aussieht! Ich will, daß es dir gutgeht!

Das christliche Verständnis des Segens beruht auf dem alttestamentlichen aaronitischen Segen: "Sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen" (Num 6, 24-27).
Dieser Segen ist eine Zusage Gottes und drückt eine Beziehung aus. Der Name Gottes wird auf die Israeliten gelegt, d.h. der Gesegnete wird Gott zugeeignet, es entsteht eine Zugehörigkeit zu Gott. Die einzelnen Zusagen des aaronitischen Segens verdeutlichen den Inhalt dieser Beziehung: Gott möchte sich uns zuwenden; er möchte unser Leben wie die Sonne erleuchten; er zeigt uns nicht die kalte Schulter, sondern sieht uns voll Güte an. Zusammenfassend heißt es am Ende: "Der Herr schenke dir Heil".

Damit bringt der Segen auf einen Nenner, wie der Mensch vor Gott sein könnte: geheilt zu einem unverkürzten Menschsein, auf den Herrn hingeordnet, von ihm ergriffen.

Segen würde dagegen zur Magie erniedrigt, wenn jemand erwartete, daß nun einfach das Unmögliche möglich wird; Segen ist kein Zauberspruch. Wenn z.B. ein Autofahrer völlig verantwortungslos fährt, wird ihn kein Segen vor einem Unfall bewahren. Die Zusage Gottes, um unser Heil besorgt zu sein, ist als Einladung zu verstehen, auf Gott zu bauen; wir sollen bereit werden, unser Leben von ihm prägen zu lassen. Segen hebt die Möglichkeit, sich von Gott abzuwenden, nicht auf. Er erneuert unsere Hinwendung zu Gott, unsere Zugehörigkeit zu ihm. Er stärkt unsere Bereitschaft, Gottes Wort und Tat zu einem wesentlichen Bestandteil unseres Alltags werden zu lassen.

Wenn Menschen nicht bereit sind, auf Gott zu bauen, bauen sie statt dessen oft auf sich selbst. Sie beginnen zu glauben, ihr Heil selbst wirken zu können. Für Menschen, die so denken, erscheint Segen - und letzten Endes Gott selbst - überflüssig. Aber Heil läßt sich nicht produzieren wie irgendein Gegenstand! Ist es mehr als eine schmerzhafte Selbsttäuschung, sich selbst "heil" oder "heilig" machen zu wollen? Welchen Erfolg haben solche Versuche? Der Segen erinnert uns daran, daß Gott es ist, der unser Heil nicht nur will, sondern auch wirkt. Der größte Segen für uns liegt darin, daß Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist. Denn er hat uns erlöst; er heilt die Verwundungen, die wir uns durch Versäumnisse, Versagen, Schuld zugezogen oder anderen zugefügt haben; er ist unser Heil. Der Schlußsegen der Hl. Messe erneuert diesen Glauben für unser Christsein im Alltag; nachdem wir Christus im Wort und Sakrament begegnet sind, dürfen wir ihn in unseren Alltag hineintragen.

Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
(Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.)
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
(Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andere über dich herfallen.)
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne dich der gütige Gott.

Segensgebet aus dem 4. Jahrhundert, in: Koeppen/ Spennhoff/ Wolf (Hrsg.), Spuren des Lebens, Neukirchen-Vluyn, 2. Aufl. 1994

 

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