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Hat das Beten für Verstorbene einen Sinn?

Die Frage stellt ein religiöser Gesprächskreis, der sich mit Sinn und Wert des Betens für Verstorbene beschäftigt hat. Dabei wurde u.a. die Meinung geäußert: Beten für Verstorbene sei nicht notwendig. Man könne dadurch von den Verstorbenen keine Not abwenden. Außerdem nehme Gott in seiner Güte und Liebe jeden an, ohne daß jemand für ihn betet.

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis steht in Verbindung mit dem Bekenntnis zur Kirche: "Ich glaube (...) an die Gemeinschaft der Heiligen". Die ursprüngliche Bedeutung dieses Satzes ist: Die Kirche ist die Gemeinschaft am Heiligen. Sie wird auferbaut durch den gemeinsamen Glauben an das Evangelium, durch die gemeinsame Feier der Sakramente und den gemeinschaftlichen Dienst der Liebe. Durch diese gemeinsame Anteilhabe am Heiligen werden wir zur Gemeinschaft der Heiligen zusammengeschlossen. Dabei geht es um den Grundzug von Kirche als Gemeinschaft (communio). Sie ist Gemeinschaft des ganzen Volkes Gottes und gründet in der Gemeinschaft mit Christus (1 Kor 1, 9), mit dem Heiligen Geist (Phil 2, 1), mit dem Vater und dem Sohn (1 Joh 1, 3.6).

Wir sind es gewöhnt, bei dieser Gemeinschaft -soweit sie Menschen betrifft- an Gläubige aus den verschiedensten Völkern, Rassen und Sprachen zu denken. Das ist jedoch zu eng. Nach einer gängigen juristischen Formel wird zwar die Mitgliedschaft in einem Verein durch den Tod beendet; Kirche ist jedoch mehr als ein bloß menschlicher Zusammenschluß auf Zeit. Sie bezieht auch die Gläubigen aller Zeiten ein, d.h. sie ist keineswegs auf die Lebenden beschränkt. Der Tod ist durch unsere Erlösung und die Auferstehung Jesu keine endgültige Grenze mehr; da "die Macht des Todes gebrochen" ist, kann er keine Grenze für den Fortbestand der Gemeinschaft der Heiligen darstellen.
"Gemeinschaft der Heiligen" umfaßt deshalb die Kirche der auf der Erde Lebenden, die Seligen im Himmel und die Verstorbenen. Alle Genannten stehen füreinander ein: die Lebenden beten füreinander; sie verehren die Heiligen nicht nur als Vorbild, sondern rufen sie auch um ihre Fürsprache an; wir lebende Menschen singen mit den Engeln und Heiligen im "Heilig, heilig, heilig (...) das Lob Gottes. Aus dem gleichen Grund beten die Lebenden für die Verstorbenen. Sie tun es seit frühester Zeit mit großer Selbstverständlichkeit, weil wir (d.h. als Gemeinschaft der Glaubenden!) durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare Erbe empfangen, das im Himmel für uns aufbewahrt ist (vgl. 1 Petr 1, 3 f).

Das Beten für die Verstorbenen ist deshalb in gleicher Weise notwendig wie das Gebet für die Lebenden, ob innerhalb oder außerhalb der Messe. Die Kirche ist sich ihrer Verantwortung für Lebende wie Verstorbene, bewußt. Sie schließt diejenigen in ihre Sorge ein, deren Glauben Gott allein kennt. Sie "betet ohne Unterlaß" (1 Tess 5, 17), weil sie so ihren Glauben an die liebende Zuwendung Gottes ausdrückt. Darin sollte jeder Gläubige einstimmen.

Gott, schenk deine Herrlichkeit,
deine Zukunft und deine Treue
den Verstorbenen.
Wir können nicht glauben, daß ihr Leben umsonst vorbeiging
und alles, was sie für Menschen bedeutet haben,
nun verloren sein soll.
Vielmehr vereinigen wir uns mit dem Glauben,
in dem sie selbst festgehalten haben an dir bis zum Ende,
an dir, ihrem Gott und unserem Gott,
der für uns lebt heute und alle Tage bis in Ewigkeit.

action 365, Beten im Alltag, S. 87

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