Sollte der Sonntag nicht mehr als ein Tag
zum Ausschlafen sein?
Über den Sonntag wird viel diskutiert. Unterschiedliche
Anliegen spielen dabei eine Rolle. Die Arbeitswoche läßt
wenig Zeit für die Familie und für sich selbst. Der Sonntag
bietet Chancen zum Ausgleich; man kann zu sich selbst und zu einem
Miteinander zurückfinden. Darin kommt ein menschliche Anliegen
zum Ausdruck.
Verbände wie die KAB engagieren sich mit Unterstützung
der Bischöfe für einen Fortbestand des Sonntags als arbeitsfreien
Tag. Eine soziale Errungenschaft soll verteidigt werden. Die Auslastung
von Maschinen und die Erwirtschaftung höheren Gewinns sollen
nicht die Frage nach dem Menschen verdrängen. Das ist ein soziales
und politisches Anliegen.
"Christsein heißt, gemäß dem Sonntag zu leben!"
faßte der Bischof Ignatius von Antiochien (2. Jhd.) zusammen.
"Am Sonntag halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil
er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis
und des Urstoffes die Welt schuf, und weil Jesus Christus, unser
Erlöser, an diesem Tag von den Toten erstanden ist". Diese
Worte wurden zu einer Zeit geschrieben, als an einen arbeitsfreien
Sonntag noch nicht zu denken und Selbstfindung ein Fremdwort war.
"Sonntag" sollte den Christen mehr bedeuten
als die unlustige Erfüllung einer kirchenrechtlichen Vorschrift.
Wir sind eingeladen, den Sonntag zu heiligen! Sonntagsheiligung
folgt nicht automatisch daraus, daß nicht gearbeitet wird.
Sie entsteht auch nicht dadurch, daß wir Ausstehendes oder
Versäumtes nachholen. "Heiligung" geschieht dort,
wo wir Gott einziehen lassen und sein Angebot annehmen, uns etwas
von seiner Heiligkeit mitzuteilen. Ignatius von Antiochien hat deshalb
zwei der ganz großen Taten Gottes für uns hervorgehoben.
Wir dürfen uns beschenkt wissen. Wir dürfen uns der vielen
Gründe bewußt werden, Gott zu danken. Wir dürfen
ihm selbst im Wort und Sakrament begegnen. Von daher ist die Eucharistiefeier
Quelle und Höhepunkt des christlichen und kirchlichen Lebens
(II. Vat. Lumen Gentium 11). Ihre eigene Bedeutung haben (gemeinsames)
Gebet, das Lesen in der Bibel, Meditation, Glaubensvertiefung durch
Gespräch oder geistliche Lektüre.
Die am wenigsten entdeckte Chance des Sonntags scheint mir jedoch
die des Festes zu sein. An den Wochentagen sind wir als Einzelne
gefordert, im Beruf, im Haushalt, in der Schule usw. Den Alltag
und seine Vereinzelung kann nur ein Fest durchbrechen! Danach richten
sich Vereine aller Art ebenso wie Jugendliche in der Disko. Auch
die Christen sollten auf ihr ureigenes Fest nicht verzichten; es
führt sie zusammen, erneuert im Glauben, schenkt Freude und
Gemeinschaft. Ein solches Fest mit Musik, Gesang, der Frohbotschaft
des Glaubens und dem gemeinsamen Mahl ist auf besondere Weise die
sonntägliche Eucharistiefeier. Sie ist durch nichts ersetzbar.
Denn dieses einzigartige Fest feiert Gott mit uns.
Gesucht wird jemand
auf den ich mich verlassen kann
der meinem Leben einen Sinn gibt
der auf mich eingeht
der mir Trost gibt
der mir meine Freude läßt
der mich von meiner Habsucht befreit
der mir meine Angst nimmt
der mir Mut zum Leben macht
der ohne Vorurteile handelt
der mir verzeiht
der mich braucht
der mein Leben begleitet
Gesucht wird GOTT
aus: Manfred Frigger, Zeit für mich - Zeit für
Gott, Herder 1986, S. 46
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