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Wie kann man jungen Menschen die eigenen Glaubenserfahrungen mitteilen?

In Jesus Christus hat Gott uns nicht als Knechte, sondern als Freunde angesprochen (Joh 15, 15). Jesus hat die Menschen in seine Gemeinschaft eingeladen, er hat sie angenommen und aufgenommen. In Wort und Tat erweist Gott seine überströmende Liebe. Das gilt bis heute, für uns wie für die Menschen zur Zeit Jesu. Es kommt deshalb darauf an, daß wir Gott ernstnehmen, wie er sich offenbart hat; er will nicht nur als Oberbegriff einer Fülle von Einzelgesetzen erfahren werden, sondern in eine Begegnung mit uns eintreten, mit uns einen Dialog aufnehmen. Menschen, die die Kraft des eigenen Glaubens erfahren haben, können für andere eine wichtige Vermittler- und Übersetzerdienst übernehmen.

Junge Menschen, denen solche Glaubenserfahrungen fehlen, entdecken Gott am leichtesten, wenn wir zu ihnen so über ihn reden, wie er selbst zu uns gesprochen hat. Glauben entsteht nicht zuerst aus der Vermittlung einer systematischen Lehre oder einer Folge von Lehrsätzen; er wächst nach dem Zeugnis der Schrift im Dialog! Dabei wollen junge Menschen als eigenständige Partner ernst genommen werden. Der Kernpunkt ist deshalb ein Mit-Teilen, eine Gemeinschaft, eine Aussprache über das, was im Leben wirklich trägt und bewegt.

Oft sprechen Ältere über Gott aus einer Position des Wissens oder Besitzens heraus; das schreckt ab. Statt dessen sollten wir uns darum bemühen, uns zusammen mit anderen auf die Suche nach Gott zu begeben. Die eigenen Glaubenserfahrungen haben wir nicht einfach. So wie wir nicht frei von Zweifeln, Fragen oder Glaubensrückschritten sind, müssen wir bereit sein, uns im Gespräch über Gott Kritik, Unverständnis, Mißverständnis aussetzen. Bei der Glaubensvermittlung müssen wir etwas von uns selbst preisgeben. Erst wenn die Suchenden das Interesse an Ihnen selbst spüren statt sie zum Objekt einer "Vermittlung" zu machen, wird die Begegnung und die Beziehung Gottes zum Menschen nachgeahmt.

Von Gott reden kann man nur in der Verbindung von Wort und Tat. Auch hier ist der Stil von Gottes Handeln maßgebend für unsere Bemühungen, über Gott zu sprechen. Der Weg zu Gott führt zuallererst über die Erfahrung Gottes im Alltag unseres Lebens. Keine noch so guten Worte können Suchende erreichen, wenn die Taten fehlen, die unsere Worte bezeugen. Von der Liebe Gottes kann nur Zeugnis ablegen, wer selbst liebt.

Von Gott zu reden hat nur einen Sinn, wenn es für die Gesprächspartner auch Erfahrungsräume gläubigen Lebens gibt. Räume sind mehr als nur Mauern, die etwas Leeres umschließen; sie haben einen Inhalt, eine Gestalt. In Räumen trifft man auf Menschen, die von verschiedenen Lebensstilen und Gedanken geprägt sind. Suchende wollen sich neue Räume erschließen und zwar ihre Räume. Was die Kirche ihnen schuldet ist das Zeugnis eines echt christlichen Lebens mit seiner Hingabe an Gott in einer Gemeinschaft (...) und gleichzeitig mit seiner Hingabe an den Nächsten (Evangelii nuntiandi, 41). Daran erkennen junge Menschen, daß die Räume des Glaubens keine Gefängniszellen sind, sondern auch für sie bewohnbar, wohnlich sind. Ein gemeinschaftliches christliches Zeugnis "zu tun" bietet so einen Resonanzboden, wenn wir von Gott sprechen. Wir sollten nicht müde werden, Kirche als Zeichen und Werkzeug Gottes zu leben und dadurch für andere erlebbar zu machen.

Wir brauchen Glauben, Gott,
wir brauchen Freiheit und Vertrauen,
damit wir den Weg zu den anderen finden
(und uns nicht voreinander verstecken;
damit wir uns in die Augen blicken können
und nicht übereinander hinwegsehen.)
Gott, gib und den Mut,
die Zweifel unseres Lebens nicht zu verbergen,
nicht zu leugnen und auch nicht wegzureden,
sondern uns selber anzunehmen, wie wir sind.
Dann können wir auch für die Zweifel,
die Fragen und Ängste anderer offen sein.
Dann sind wir fähig, ihnen Mut zu machen zu sich selbst
- vielleicht sogar zum Glauben.
Laß uns das glücken, Gott, durch deinen guten Geist.

aus: Koeppen/ Spennhoff/ Wolf, Spuren des Lebens, Neukirchen-Vluyn/ Stuttgart, 2. Aufl. 1994, S. 121

 

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