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Was kann man tun, wenn sich ein Familienmitglied den "Zeugen Jehovas" zuwendet? Wie kann man gegen diese Sekte argumentieren?

Gleich zwei Briefe beziehen sich auf die Tätigkeit der Sekte "Zeugen Jehovas". Im Mittelpunkt des ersten stehen die großen Probleme, die innerhalb einer Familie aufbrechen, wenn sich ein Angehöriger zu dieser Sekte bekennt. Der zweite bezieht sich auf eine Begegnung mit einem Zeugen Jehovas und dem dabei angesprochenen biblischen Thema.

Mit den "Zeugen Jehovas" verbindet man Menschen, die mit der Zeitschrift der sekteneigenen "Wachtturm-Gesellschaft" in der Hand an belebten Stellen der Innenstädte stehen. Andere werden von "Zeugen Jehovas" zu Hause aufgesucht; mit Bibelzitaten oder gezielten Fragen wird bewußt Unsicherheit geschürt und ausgenutzt.

Die Verwendung von Zitaten aus dem Alten und Neuen Testament erweckt den Eindruck, es handele sich um Christen. Ein Kenner der "Zeugen Jehovas" stellt jedoch richtig: "Mit den Zeugen ist es sehr schwer, ein Gespräch zu führen. Von ihrer Theorie her verkünden sie keine christliche Lehre; ihnen fehlt die Basis des Christentums, der Glaube an den dreifaltigen Gott und somit auch an Jesus Christus als Sohn Gottes (...). Ihr Bibelverständnis ist ihnen von der Wachtturm-Gesellschaft 'einprogrammiert' worden, so daß Argumentation oder Beweisführung ihren Glauben nicht verändern können" (Günther Pape, Die Zeugen Jehovas/ Die Wachtturm-Gesellschaft, in: Beckers/ Kohle (Hg.), Kulte, Sekten, Religionen, Pattloch 1994, S. 360).

"Die Auslegung der Bibel liegt einzig und allein bei der Leitung der Watchtower Bible and Tract Society (d.i. Wachtturm-Gesellschaft). Was biblisch ist und damit der Lehre entspricht, darüber entscheidet die Leitende Körperschaft (...). Die Zeugen Jehovas übergehen die jahrtausendealte christliche Lehre und setzen sich darüber hinweg, was sie einmal selbst in ihren früheren Schriften gelehrt haben" (Pape, aaO, S. 360). Ein gutes Beispiel dafür ist die Lehre über die Endzeit. Der Gründer der Sekte, Russell, verkündete für 1914 das Ende aller menschlichen Herrschaft und der Kirchen. Als das 1914 nicht eintrat, stellte Russell eine neue Zeitberechnung für 1916 auf. Seither wird das Ende "immer wieder zum Unmut der Zeugen verschoben und in neuester Zeit auf das Jahr 1996 festgelegt. Aus diesem Grund beginnt die Lehre der Zeugen Jehovas auch umzuschwenken auf das irdische Königreich des Gott Jehova" (Pape, aaO, S. 356).

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, daß ein Gespräch mit einem Zeugen Jehovas eine sichere Verankerung im eigenen Glauben ebenso voraussetzt wie eine genaue Kenntnis ihrer Schriften und Lehren. Nur dann kann man die inneren Widersprüche und falschen Beweisführungen dieser Lehre aufdecken. Selbst für einen christlichen Theologen gibt es kein "Rezept": er kann zu einem bestimmten Thema zwar die Lehre der Kirche gegenüberstellen; daß man wegen des völlig unterschiedlichen Bibelverständnisses aneinander vorbeiredet, kann jedoch auch theologische Vorbildung nicht verhindern. Der beste Rat, den ich geben kann, ist deshalb, Kontakt mit folgender Stelle der Diözese Augsburg aufzunehmen:

Herr Hubert Kohle, Referent für Religions- und Weltanschauungsfragen, Haus St. Ulrich, Kappelberg 1, 86150 Augsburg (Tel.: 3152-262).
Die großen menschlichen Probleme, die in einer Familie entstehen, wenn ein Angehöriger zu den "Zeugen Jehovas" übertritt, können nicht durch einen schriftlichen Beitrag gelöst werden. Sie bedürfen der Beratung, des Gesprächs oder einer Begleitung durch Fachleute mit einschlägiger Erfahrung.

Sei gepriesen, Herr Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes.
Du bist der Erlöser der Welt, unser Herr und Heiland.
Komm, Herr Jesus, und steh uns bei,
daß wir alle Zeit mit dir leben und in das Reich deines Vaters gelangen.

Gotteslob Nr. 6/ 3

 

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