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Kann man lernen, zu glauben?

Wenn ich mit einem Wortspiel beginnen darf: Man kann Glauben lernen oder glauben lernen! Unser Glauben - groß geschrieben - beruht auf der Hl. Schrift, der kirchlichen Tradition und auf der Tatsache, daß uns beides überliefert und verkündet worden ist. Unser Glauben hat einen Inhalt. Alles, was damit zusammenhängt, kann befragt, erforscht, vermittelt und gelernt werden. Je aufnahmebereiter und eifriger sich jemand auf diesen Lernprozeß einläßt, um so mehr stößt er zu einem tieferen Verständnis dessen vor, was Gott aus überströmender Liebe zu unserem Heil ins Werk gesetzt hat. Als Zentrum der liebenden Zuwendung Gottes wird Jesus Christus, der "eine Mittler zwischen Gott und den Menschen" (1 Tim 2, 5), immer klarer erkennbar. Je mehr wir lernend von Jesus Christus erfassen, um so bedeutungsvoller wird sein Beispiel für unser Leben, sonntags wie werktags.

Auf einer anderen Ebene liegt "glauben", nämlich jenseits von wahr oder falsch, von Wissen oder Nichtwissen; "glauben" ist wie "lieben" eine Herzensangelegenheit! Diese Seite scheint für mich in der Erzählung vom Gang Jesu auf dem See ( Mt 14, 22 ff) auf: Jesus zieht sich auf einen Berg zurück, die Jünger fahren allein mit dem Boot über den See. Starker Wind wirft das Boot hin und her; Jesus kommt den Jüngern über den See entgegen. Sie sehen das Unglaubliche und fürchten sich. Jesus ermutigt sie: "Habt Vertrauen, ich bin es." Allein Petrus scheint ihn zu hören und wendet sich an Jesus: "Herr, wenn du es bist, so befiehl, daß ich auf dem Wasser zu dir komme." Jesu fordert ihn auf: "Komm!" Petrus vertraut Jesus, steigt aus dem Boot und geht ihm über das Wasser entgegen. Erst als er das Unglaubliche wahrnimmt, dazu den Wind und die Gefahr, bekommt er Angst - und geht unter. Doch ganz geht sein Vertrauen nicht unter: "Herr, rette mich!". Jesus streckt die Hand aus, ergreift ihn und sagt: "Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"
Geht man an diese Erzählung mit naturwissenschaftlich gebildetem Verstand statt mit dem Herzen heran, zerfällt sie. Selbst der Begriff "Wunder" versagt, denn es geht im Grunde nicht um ein Handeln Gottes an den Menschen, sondern um menschliches Handeln auf Gott hin - um glauben lernen und um glauben können. Man muß den Mut finden, die alltäglichen Maßstäbe einmal außer acht zu lassen und in blindem Vertrauen Jesu Wort hören und es tun, damit das Unmögliche möglich wird. Der angesprochene "Kleinglaube" ist ein Rückfall, lediglich auf das zu vertrauen, was der Mensch aus eigener Kraft vermag. Nur darauf bauend, geht man im Gegenwind des Lebens unter, bis einem das Wasser zum Hals steht. Die rettende, ausgestreckte Hand erreicht den, der wenigstens so weit vertraut, zu sagen: "Herr, rette mich" - denn du kannst es!

Auf Jesus vertrauen heißt, loslassen zu können und den Ruf "Komm!" für sicherer zu halten als ein im Wind schwankendes Boot. Auf Jesus vertrauen heißt, eine Beziehung zu ihm zu haben und zu erleben, daß diese Beziehung trägt wie fester Boden unter den Füßen. Man kann in diesem Sinn glauben lernen, wenn man um der liebenden Beziehung zu Jesus willen aus dem Boot scheinbarer Sicherheit, Machbarkeit und Berechenbarkeit aussteigt. Der Impuls dazu ist immer eine persönliche Beziehung, sei es, daß man Jesus im eigenen Leben entgegenkommen sieht, sei es, daß uns vertraute Menschen wie Petrus handeln.

Behüte mich, Gott, denn ich vertraue dir.
Ich sage zum Herrn: "Du bist mein Herr;
mein ganzes Glück bist du allein."
Ich preise den Herrn, der mich beraten hat.
Auch mahnt mich mein Herz in der Nacht.
Ich habe den Herrn beständig vor Augen.
Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht.

Psalm 16, 1-2.7-8

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