Was ist die "Sünde wider den Hl.
Geist" und warum kann sie nicht vergeben werden?
Das Wort über die Lästerung des Hl. Geistes
und ihre Unvergebbarkeit (vgl. Mt 12, 31; Mk 3, 28 ff) kommentiert
eine bestimmte Situation, die es zu beachten gilt: Jesus zeigt seine
messianische Vollmacht, indem er einen Besessenen heilt. Die Pharisäer
schreiben die Heilung dem Wirken des Bösen zu. Jesus widerlegt
ihre Deutung: "Wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe,
durch wen treiben dann eure Anhänger sie aus? (...) Wenn ich
aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist
das Reich Gottes schon zu euch gekommen" (Mt 12, 27 f). Auf
die falsche Deutung der Pharisäer zurückgeblendet heiß
das: Sie sind Zeugen gewesen, wie Jesus in der Kraft des Hl. Geistes
einen Besessenen heilte, wollen aber nicht wahrhaben, daß
der Geist Gottes am Werk ist; sie setzen aus Parteiinteresse ihre
eigene Deutung dagegen und hindern sich damit selbst daran, das
angebrochene Reich Gottes zu erkennen. "Lästerung"
besteht hier darin, daß das Wirken von Gottes Geist in ein
Wirken des Bösen umgedeutet wird.
Mit einer solchen Umdeutung verweigert man sich dem
angebrochenen Reich Gottes und lehnt das angebotene Heil ab; eines
der Heilszeichen dieses Reiches ist die Vergebung der Sünden.
Von daher ist das Wort über die Unvergebbarkeit nicht als eine
Strafe für eine besonders schwere Sünde auszulegen, sondern
als die unvermeidbare Folge einer bestimmten Haltung: der selbstgewählten
Glaubensverweigerung. Die Folge steht und fällt mit der Ursache.
Jesus ruft zur Umkehr und lädt ein, sich ihm und seiner Frohbotschaft
anzuvertrauen. Wer aus Verweigerung zu dieser geänderten inneren
Haltung findet, erfährt die unbegrenzte Barmherigkeit Gottes,
die Jesus nach Mt 9, 10-13 verkündet hat.
Geistlich gesehen wachsen Menschen durch umkehrbereites
Hören auf Jesus in das angebrochene Reich hinein; dieses Wachstum
wird durch eine Verweigerungshaltung im Keim erstickt. Andererseits
wäre es völlig verfehlt, aus dem Evangelium einen Steckbrief
zu machen und damit nach Menschen zu fahnden, die vom Heil ausgeschlossen
sind; das hieße, anstelle Gottes urteilen zu wollen, wer sich
vom Ruf Jesu zur Umkehr hat ansprechen lassen und für Gottes
Reich bereit geworden ist! Schließlich mahnt der Evangelientext
Menschen, die mit manchmal unheimlicher "Sicherheit" bei
anderen oder sich selbst ein Wirken des Bösen orten und wie
fasziniert darum kreisen. Nehmen sie das in Jesus angebrochene Gottesreich
noch wahr? Schreiben sie dem Bösen fälschlich größere
Macht als Gott zu? Besteht nicht die Gefahr, daß sie wie die
Pharisäer ein Wirken des Hl. Geistes leichtfertig umdeuten?
Wir erkennen das angebrochene Reich Gottes nach wie vor anhand von
Wort und Tat Jesu. Es kommt im geistlichen Leben immer wieder auf
denselben Maßstab an: Jesus Christus! Die Bereitschaft, sich
(neu) an ihm zu orientieren, entscheidet über unser geistliches
Wachstum oder Verkümmern. Dieser Maßstab ist an das eigene
geistliche Leben anzulegen, nicht an das anderer.
Wer in ein übervolles Gefäß noch mehr hineingießt,
verschüttet, was er noch zugießt.
Auch in eine Menschenseele, die von Gottes Gnade
und Gottes Geist ganz erfüllt ist,
kann das Böse nicht eindringen:
Die Gnade erfaßt alles und läßt keinen Winkel frei,
so kann ihr Gegenteil nicht bleiben und Wohnung nehmen.
Antonius von Padua, in: Die Weisheit der Heiligen,
Reclam 1991, S. 226.
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