Wehen des Hl. Geistes oder Schwärmerei?
Ein Mitglied in einer charismatischen Gebetsgruppe
sucht Klarheit, "wes Geistes Kind" dieser Kreis ist. Die
Beobachtung von "Zungenrede", einem "unverständlichen
Plappern", ist Ausgangspunkte einer ganzen Reihe von Fragen.
Die Elemente des Gebetsgottesdienstes, den Sie im
Brief schildern, unterliegen keinen Bedenken. Ich gewinne aus Ihrem
Schreiben jedoch den Eindruck, daß das Ziel dieser Gebetstreffen
mehr darin besteht, den Gruppenleiter zur "Zungenrede"
aufzustacheln, als Gott zu loben und die gläubige Beziehung
zu ihm zu vertiefen! Damit würde das Gebet auf höchst
bedenkliche Weise verzweckt. Darüberhinaus wäre es völlig
verfehlt, den Hl. Geist "auf Knopfdruck" herbeizitieren
zu wollen; Paulus lehrt: der Hl. Geist "teilt jedem seine besondere
Gabe mit, wie er will" (1 Kor 12, 11)!
Die Gefahr besteht, daß in einzelnen Gruppen
die Fülle der Frohen Botschaft auf ein inhaltsleeres Phänomen
verkürzt wird, die "Zungenrede". Eine solche Verkürzung
kann nicht mit dem Hl. Geist gerechtfertigt werden, weil er uns
in die ganze Wahrheit einführt (Joh 16, 13). Welche Wahrheit
vermittelt das Ausstoßen unverständlicher Laute? "Jedem
aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen
nützt" (1 Kor 12, 7). Wem nützt das Miterlebte? Was
bleibt davon? Der Apostel Paulus mahnt: "Was nützt es
euch, Brüder, wenn ich komme und in Zungen vor euch rede, euch
aber keine Offenbarung, keine Erkenntnis, keine Weissagung, keine
Lehre bringe? (...) Wenn aber niemand es (= die Zungenrede) auslegen
kann, soll auch keiner vor der Gemeinde so reden" (1 Kor 14,
6 u.28)!
Die charismatische Bewegung ist ausgesprochen vielschichtig.
Es gibt einen zweifellos katholischen Zweig, sowie evangelisch oder
freikirchlich geprägte Zweige; daneben tummeln sich Gruppierungen,
deren Weg zur Minisekte nicht mehr lang ist. Aus Ihrem Brief geht
nicht klar hervor, ob die Gruppe überhaupt Teil einer anerkannten
Bewegung ist oder ob die Leiterpersönlichkeit eine bestehende
Gebetsgruppe "umfunktioniert" hat. Es wäre ungerecht,
einer ganzen Bewegung die Sensationslust oder Begrenztheiten Einzelner
anzulasten.
Paulus sagt: "Alles geschehe so, daß es
aufbaut" (1 Kor 14, 26). Inwieweit das einer Gebetsgruppe gelingt,
zeigt sich an den Früchten: "Die Frucht des Geistes aber
ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Sanftmut und Selbstbeherrschung" (Gal 5, 22 f). Ich rate dazu,
kritisch zu prüfen, ob Sie solche Früchte aus den Gruppenzusammenkünften
in Ihr alltägliches Christsein mitnehmen konnten. Wenn nicht,
ist das miterlebte Geschehen ein Theaterdonner.
Glaubensvertiefung in einer Gemeinschaft oder einer
Gruppe fördert die Verankerung unseres Christseins im Alltag.
Ich lese in Ihrem Brief von tiefen Zweifeln an der Sinnhaftigkeit
dessen, was bei den Zusammenkünften geschieht; sie erkennen
Ähnlichkeiten mit einer Sekte. Das spricht dafür, daß
die Glaubensvertiefung, die Sie suchen, in der konkreten Gruppe
gar nicht vorkommt! Daran ändert auch das mitgeteilte frömmelnde
Gewäsch der Gruppenleitung nichts.
Ob Sie sich von dieser Gruppe trennen sollen, kann
und will ich Ihnen nicht vorschreiben. Wäre ich in Ihrer Situation,
würde ich es tun. Es gibt viele Gemeinschaften mit bewährter
spiritueller und theologisch durchdachter Überlieferung, denen
man sich bedenkenlos anschließen kann. Solche Gemeinschaften
sind bemüht, den Mitgliedern Christus und die - unverkürzte
- Frohe Botschaft näher zu bringen. Sie tun es in verständlicher
Sprache und ohne Liebäugeln mit Randphänomenen des Glaubens.
Gott, du hast die Herzen deiner Gläubigen
durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes gelehrt.
Gib, daß wir in diesem Geist erkennen, was recht ist,
und allezeit seinen Trost und seine Hilfe erfahren.
Gebet der Votivmesse vom Hl. Geist
oder:
Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten
deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet.
sein Geist, der von dir ausgeht,
führe uns den rechten Weg.
Gebet der Messe von Pfingstmontag
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