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"Ich verstehe, warum Glauben an Jesus wichtig ist. Aber worin besteht die Nachfolge, zu der er ruft?"

Die Evangelienstellen, die von der Nachfolge Jesu sprechen, sind schwierig im Alltag umzusetzen, weil im Grunde alles an einem Wort hängt. Im Neuen Testament wird "nachfolgen" ausschließlich verwendet, um den Anschluß an den irdischen Jesus zu kennzeichnen; es taucht nur als Tätigkeitswort auf. Gemeint ist buchstäblich, sich mit Jesus zusammen auf den Weg zu machen, d.h. sich seiner messianischen Sammlungsbewegung anzuschließen. Deshalb werden die Jesus Nachfolgenden Anteil an dem in ihm angebrochenen Heil erhalten; sie werden aber auch sein Geschick teilen. Der geschichtliche Zusammenhang erklärt die Radikalität mancher Aussagen (vgl. z.B. Mt 8, 18 ff). Immer wird vorausgesetzt, daß dem äußeren Tun eine Grundhaltung entspricht, nämlich sich Jesus innerlich anzuschließen.

Mit dem frühen Mönchtum entstand erneut eine Bewegung, die den freiwilligen Bruch mit den üblichen Lebensgewohnheiten wiederaufnahm und als prophetisches Zeichen auf den wiederkommenden Christus hin deutete. Die innere Haltung, sich Jesus anzuschließen, ist dagegen das für jeden Christen Entscheidende: Wer sich von Jesus angesprochen findet, gewinnt den Mut, sich ihn zum Vorbild zu nehmen. "Nachfolgen" bedeutet, sich auf einen geistlichen Weg zu begeben. Dieser Weg drängt zum Handeln, wie Jesus zu lieben, wie Jesus barmherzig zu sein usw. Sich Jesus innerlich anzuschließen und ihn nachzuahmen, bedarf immer wieder einer spirituellen Erneuerung und Ermutigung.

Der große Mystiker Johannes Tauler OP predigte über den Satz "Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach" (Joh 12, 26): "Diese Worte lassen uns deutlich erkennen, welches die wahren Diener Gottes sind: das sind die, welche Gott folgen, wohin und auf welche Weise er sie zieht. Gott zieht seine Diener nicht nur auf einem Weg, noch durch ein Werk, noch auf eine Art; sondern er zieht sie dahin, wo er ist, das heißt: auf alle Wege, durch alle Werke, auf alle Arten; denn Gott allein ist in allen Dingen, sofern sie gut sind." Tatsächlich besteht die Gefahr, daß wir uns irgendetwas Bestimmtes aussuchen und daran ein für alle Mal unsere Nachfolge festmachen. Alles Neue, das Gott uns zeigt, wird dann wegen unserer allzu festen Vorstellungen gar nicht mehr wahrgenommen. Anders ausgedrückt: man geht nicht mehr hinter Jesus her, wohin er will, sondern man folgt den eigenen begrenzten Vorstellungen.

Tauler fährt fort: "Der aber dient Gott nicht eigendlich, der Gott nur in ihm auferlegter Weise dient, (...) nach seiner Weise; sobald ihm diese Weise nicht möglich ist und Gott ihn einen anderen Weg ziehen will, kehrt er wieder um und verbreitet sich mit seinen Sinnen auf die Dinge, inmitten deren er lebt oder ist; sie kehren sich von Gott ab". Wieviel tun wir nur, weil es uns "auferlegt" ist, ohne innere Beteiligung, aus bloßer Gewohnheit? Kommt etwas dazwischen, gehen wir im Alltag auf. Christsein wird zur Ermüdungserscheinung.

"Was ist die Ursache, daß diese Menschen sich so zerstreuen und sich berauben? Das ist der Umstand, daß Gott nicht in deinem Grund gewesen ist, daß du einen erdachten und einen gemachten Gott hast, in deiner Weise, der aber gar nicht Seinem Wesen entspricht". Unser Gott nicht nicht ein Gott der
eingefahrenen Gleise, sondern überraschend, aufweckend, heraus-fordend. Die Erfahrung Taulers könnte zum Nachdenken, zum geistlichen Nachspüren anregen und eine neue Seite von Nachfolge vermitteln: Aufbruch ist angesagt!

Gott, großzügig wie kein anderer:
Lock uns heraus aus unseren Grenzen,
damit wir aufbrechen aus Gewohnheit und Angst,
uns selber entdecken und neue Aussichten finden.
Laß uns erfahren, was bleibt:
Deine Treue, die uns begleitet,
wo immer wir sind, was immer geschieht,
damit wir in deiner Nähe bleiben, Gott:
ganz bei uns selbst, bei den Menschen und bei dir.

aus: Koeppen/ Spennhoff/ Wolf (Hrsg.), Spuren des Lebens, 2. Aufl. 1994, S. 125

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