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Wie kann der gute Gott das Leiden Christi als wohlgefälliges Opfer annehmen?

Der Fragesteller stößt sich daran, daß bestimmte Schriftstellen nahelegen, Gott habe Leiden und Tod Jesu als stellvertretende Sühne für die Sünden der Menschen verlangt; ein solches "Menschenopfer" stünde im Widerspruch zur Offenbarung Gottes als liebender Vater.

Einen Kerntext über den Opfertod Christi bietet der Hebräerbrief: "Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren (...) die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, daß sie leiblich rein werden, wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst (...) Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen" (Hebr 9, 13f). Mit "Blut von Böcken und Stieren" wird auf alttestamentliche Sühnopfer angespielt, die Versöhnung mit Gott bewirkten (vgl. Lev 4 und 5; Num 15, 22 ff und 19). Darüberhinaus deutet der Hebräerbrief Christus als Hohenpriester, der ein für allemal in das Heiligtum hineingeht und mit seinem eigenen Blut ewige Erlösung bewirkt (vgl. Hebr 9, 12 f). Diese Bilder verknüpfen Christus mit dem alttestamentlichen Ritual des Versöhnungsfestes (vgl. Lev 16).

Der Hebräerbrief bringt den Glauben an unsere Erlösung durch Jesus Christus zur Sprache, indem er (zurückschauend!) sein Geschick in diese Riten der Sühnopfer bzw. des Versöhnungsfestes einträgt. Sie dienten der Sündenvergebung und der Wiederherstellung kultischer Reinheit; sie eröffneten den erneuten Zugang in Gottes Nähe und einen Anteil an seinen Heilsgaben. Eine solche Zusammenschau der Versöhnungsriten mit dem Leiden Jesu möchte auf biblischer Grundlage erhellen, was "Erlösung" meint: Die Versöhnung der Menschen mit Gott erhält in Christus einen neuen Brennpunkt; vom Kreuz her erwirkt Christus Sündenvergebung, Heiligung, einen beständigen Zugang in Gottes Nähe, einen neuen Bund zum Heil der Menschen. Die alttestamentliche Versöhnung verhält sich dabei zur neutestamentlichen Erlösung wie ein Schatten zum Original: Jesus erwirkt eine ewige Erlösung, d.h. für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; er ist ein ewiger Hoherpriester, der es nicht nötig hat, für sich selbst Opfer dazubringen; er ist mit seiner Auferstehung in ein ewiges Heiligtum eingetreten, d.h. in die Wirklichkeit Gottes.

Die Deutung des Leidens Christi durch Querverbindungen zur alttestamentlichen Versöhnung hat Grenzen, die der Hebräerbrief ebenfalls zur Sprache bringt. In offenem Widerspruch (!) zum alttestamentlichen Gesetz wird dargelegt, daß die Versöhnungsriten nur an die Sünden erinnern, aber keine Vergebung bewirken. Dadurch soll der Eindruck vermieden werden, Gott habe blutige Opfer verlangt; erst recht gilt diese Einschränkung für das Opfer Christi! Umgekehrt wird die Initiative allein Jesus zugewiesen; es wird betont, daß er sich selbst -freiwillig- als Opfer dargebracht hat. Der Inhalt dieses Opfers liegt also nicht im Blut, sondern darin, den Willen des Vaters zu tun: "Ich komme, (...) um deinen Willen, Gott, zu tun" (Hebr. 10, 7 und 9).

Diesen Gehorsam fordert Gott und nimmt ihn als wohlgefälliges Opfer an. Das Böse im Menschen mag sich austoben, Jesus mag zum Spielball aller möglichen Feindschaften und Interessen herabgewürdigt werden; wenn Jesus sich dadurch nicht davon abbringen läßt, allein den Willen des Vaters zu tun, so liegt darin das eigendliche Zeichen, das aufgerichtet wird. Letztlich erhalten wir in unserem Christsein auf demselben Weg Anteil an der Frucht der Erlösung: indem wir uns Jesus anschließen und uns wie er dem Willen des Vaters anvertrauen! Wie sehr dieser Willen auf das Heil des Menschen gerichtet ist, erkennt man an der Auferstehung Jesu von den Toten.

Vater, so sehr hast du die Welt geliebt,
daß du deinen Sohn als Erlöser gesandt hast.
Er ist uns Menschen gleichgeworden in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst, was du in deinem eigenen Sohn geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes hast du ihn erneuert.

Präfation für die Sonntage im Jahreskreis VII

oder Kurzfassung:

Vater, dein Sohn ist uns gleichgeworden in allem, außer der Sünde,
damit du in uns lieben kannst, was du in deinem eigenen Sohn geliebt hast.
Durch den Ungehorsam der Sünde haben wir deinen Bund gebrochen,
durch den Gehorsam deines Sohnes hast du ihn erneuert.

vgl. Präfation für die Sonntage im Jahreskreis VII

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