Warum hat Gott mehrmals einen Bund mit den
Menschen geschlossen, um ihn dann letztendlich durch einen neuen
Bund zu ersetzen?
Ein Bibelkreis hat bemerkt, daß die hl. Schrift
über eine Reihe von Bundesschlüssen berichtet (vor allem
Gen 9, 1-17; Gen 17; Ex 6; 2 Sam 7, 12f mit 23, 5). Liest man nach,
entdeckt man einen roten Faden: "Bund" ist ein zentrales
Wort der Bibel, das eine besondere Beziehung zwischen Gott und Mensch
zum Ausdruck bringt. Die verschiedenen Bundesschlüsse konkurrieren
nicht miteinander; jeder wird "auf ewig" geschlossen und
vergegenwärtigt in verschiedenen Anläufen dasselbe Näheverhältnis
zu Gott!
Die Schöpfung begründete eine heilvolle Beziehung zwischen
Schöpfer und Geschöpf; unter den Geschöpfen herrschte
ungetrübte Harmonie.
Im Ungehorsam gegenüber Gott (Gen 3) und mit
der ersten Gewalttat zwischen Menschen (Gen 4) zerbröckelten
diese Beziehungen. Die Sintflut schwemmte das Unheil zerbrochener
Beziehung zu Gott und den Mitgeschöpfen weg; was übrigblieb,
entsprach wieder dem heilvollen Anfang. Gott erneuerte seinen Schöpfungssegen
und bekräftigte sein "Ja" zur Schöpfung in einem
Bund mit Noach und seinen Nachkommen sowie den Tieren. Dieser von
Gott gestiftete Bund heilte verwundete Beziehung. Er gilt ewig.
Im Bund gab Gott die verbindliche Zusage, daß die Schöpfungsordnung
Bestand hat; ein sichtbares Zeichen, der Regenbogen, erinnert daran.
Im Verlauf der Heilsgeschichte wählte Gott verschiedene Bundespartner:
Noach, Abraham, das Volk Israel, David; sie stammen jedoch alle
voneinander ab! In ähnlicher Weise bekräftigt Gott in
den verschiedenen Bundesschlüssen dieselbe Stiftung einer festen
Beziehung zwischen Gott und Mensch; er erwählt; er ruft in
ein besonderes, heilvolles Nahverhältnis, das immer von einer
Verheißung begleitet ist, also nach vorne schaut.
Während Gott treu ist und am geschlossenen Bund
festhält, erwies sich der Mensch als wankelmütig. Seine
Freiheit, sich von Gott abwenden zu können, wurde im Bruch
des Bundes traurige Wirklichkeit. Stichworte dazu sind Götzendienst
und Mißachtung des Gesetzes, das den Bund mit Gott sichern
sollte. Der Prophet Jeremia verkündete ein Wort des Herrn über
einen neuen Bund: die Beziehung zwischen Gott und Volk wird erneuert
werden; Gott wird das Gesetz ins Herz des Volkes schreiben; alle
werden dann Gott erkennen; die menschliche Schuld, d.h. der Bundesbruch,
wird getilgt (Jer 31, 31 ff).
Auf dieses Prophetenwort bezieht sich Jesus im Abendmahlssaal ausdrücklich:
"Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut" (Lk 22,
20; 1 Kor 11, 25). In den Evangelien werden weitere Bezüge
zu den früheren Bundesschlüssen aufgezeigt: "Das
ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen
wird" (Mk 14, 24) bezieht sich auf Ex 24, 8. Die Sendung Jesu
beruht auf Gottes Bundestreue, der des Eides gedenkt, den er den
Vätern geschworen hat (Lk 1, 72). Die Beziehung zu Gott wird
in Jesus so eng, wie es nur denkbar ist: "Wer mein Fleisch
ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe
in ihm" (Joh 6, 56). Jesus gibt im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe
ein neues Gebot, das das alte Gesetz zusammenfaßt, es jetzt
aber dem Menschen ins Herz schreibt; auch insoweit erfüllt
sich das Prophetenwort des Jeremia. Spürt man diesen vielfältigen
Bezügen betrachtend nach, erkennt man nicht einen Bruch, sondern
eine Konstante:
Derselbe Bund wird zunehmend innerlicher und erreicht
in Jesus eine nicht mehr zu überbietende Innigkeit. "Bund
mit Gott" ist eine Perspektive geistlichen Lebens, die (wieder-)entdeckt,
bedacht und gelebt werden möchte!
Zu was die Tugend eines Menschen fähig ist,
soll man nicht an seinen Hochleistungen messen,
sondern in seinem Alltagsleben.
Blaise Pascal in: Worte, die befreien, Freiburg 1977,
S. 53.
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