Worauf bezieht sich das Gebet vor der Kommunion
"Herr, ich bin nicht würdig..."? Warum soll nur die
Seele gesund werden?
Dem Gebet liegt der Vers Mt 8, 8 zugrunde. Ein römischer
Hauptmann bat Jesus um die Heilung seines Dieners. Jesus erklärte
sich bereit, in das Haus des Hauptmanns zu kommen. Darauf antwortet
dieser: "Herr, ich bin es nicht wert, daß du mein Haus
betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund."
Der Vers ist ganz auf die Begegnung des Hauptmanns mit Jesus konzentriert.
Der Hauptmann hebt seine Unwürdigkeit hervor, um an Stelle
der Bereitschaft Jesu, in sein Haus zu kommen, an das machtvolle
Wort Jesu zu appellieren. Darin liegt eine rückhaltlose Anerkennung
der messianischen Autorität Jesu. Dazu erkennt der Hauptmann,
daß sich die Autorität Jesu in seinem machtvollen Wort
ausdrückt. Wenn ihm als Hauptmann schon Menschen "aufs
Wort" gehorchen, dann hat Jesus eine Autorität, der keine
Grenzen gesetzt sind. Diese Autorität erkennt der Hauptmann
an. In einem einzigen Satz legt der Hauptmann ein Glaubensbekenntnis
ab, das Jesus als beispiellos würdigt.
Das Gebet zur Kommunionvorbereitung lautet ganz ähnlich:
"Herr, ich bin nicht würdig, daß du eingehst unter
mein Dach...". Die etwas altertümlichen Formulierungen
des Gebets beruhen darauf, daß es dem griechischen Evangelientext
des Mt näher steht als die Einheitsübersetzung. Wenn wir
von Herzen mit den Worten des Hauptmanns beten, so bekennen wir
damit ebenfalls die Autorität Jesu, seine messianische Vollmacht,
seine Gottheit. Wir richten unsere ganze Hoffnung auf Christus und
werden darin ebensowenig zurückgewiesen wie der römische
Hauptmann.
Das Gebet weist einen charakteristischen Unterschied
zu Mt 8, 8 auf: statt "sprich nur ein Wort, dann wird mein
Diener gesund" heißt es "sprich nur ein Wort, so
wird meine Seele gesund". Vor allem mit dieser Formulierung
hat der Fragesteller Schwierigkeiten. Er scheint "Seele"
als "Psyche" im heutigen Sprachgebrauch und die Gesundung
als Bitte um Heilung von einer psychischen Krankheit zu verstehen.
Eine solche Deutung ist meiner Ansicht nach unhaltbar. "Seele"
meint hier den ganzen Menschen in seinem Verhältnis zu Gott.
"Denn der Mensch ist in Geist, Seele und Leib nicht eins, sondern
einer" (W. Müller); als solcher ist er von Gott geschaffen
und unmittelbar auf Gott bezogen.
Das Gebet bringt damit zum Ausdruck, daß unsere
Beziehung zu Gott immer wieder der Erneuerung, der Vertiefung und
der Heilung bedarf. Es gibt der Hoffnung Raum, daß der Herr
die Initiative ergreift und in einem einzigen Wort gewährt,
was dazu not-wendig ist. Mit Blick auf die bevorstehende Kommunion
kann man dieses Wort im Evangelium wiederfinden: "Ich bin das
lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem
Brot ißt, wird in Ewigkeit leben" (Joh 6, 51). Die Kommunion
schenkt eine sakramentale Vorwegnahme unserer erhofften Vollendung
bei Gott, in der die Beziehung Gott/ Mensch ungetrübt sein
wird. In dieser Vorwegnahme gesundet schon jetzt die (noch) beeinträchtigte
Beziehung zu Gott. Diese innere Erneuerung zu bewahren und fruchtbar
zu machen ist Aufgabe unseres geistlichen Lebens.
Wir danken dir, Herr, daß du es bist, der du über
dein Wort wachst.
Nicht nur wir sind es, die das Wort suchen, um es zu verstehen,
sondern du bist es, der es uns gibt,
damit es in unser Herz dringt.
Gib uns ein offenes, gelehriges Herz,
damit wir dich über uns wachen lassen.
Carlo M. Martini, Dein Wort, Herr, verschlang ich,Freiburg
1994, S. 22.
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