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Warum wird Gott nicht mehr unter dem Namen angeredet, den er selbst offenbart hat?

Die Briefschreiberin bezieht sich auf die Bibelstelle Ex 3, 1ff, in der Gott dem Mose im brennenden Dornbusch erscheint. Auf die Frage des Mose offenbart Gott in Vers 14 f seinen Namen: "Ich bin der: Ich bin da."

Das hebräische "Jahwe" (= "Ich bin der: Ich bin da") faßt nach E. Zenger eine vielschichtige Beziehung zwischen Gott und Mensch zusammen: Gott offenbart sich als zuverlässig ("Ich bin da, so daß ihr mit mir rechnen könnt"). Gott ist unverfügbar ("Ich bin da, so daß ihr fest mit mir rechnen müßt, wann und wie ich will"). Gott ist ausschließlich ("Ich bin da, so daß ihr nur mit mir rechnen dürft"). Der Textzusammenhang zeigt auf, warum das lebens-wichtig ist. Der Offenbarung des Gottesnamens geht eine Beistandsverheißung an Mose voraus: "Ich bin mit dir!" (Ex 3, 12). Das heißt: Jahwes Da-sein ist ein Mit-sein; er ist dynamische, inspirierende Kraft in einer bestimmten Sendung oder auf dem Lebensweg generell. Zum anderen wird die Befreiung des Volkes Israels aus Ägypten vorbereitet. Das heißt: Jahwe wird erfahren, indem er aus äußeren oder inneren Slavenhäusern herausführt und in den Raum seiner Heilsherrschaft hinein befreit. Diese Aspekte des Gottesnamens enthüllen zusammengenommen ein Programm, das einen Blick auf Gottes Wesen zuläßt.

Die Geschichte Israels besteht aus der lebendigen Erfahrung, daß Gott seinem Namen entsprechend handelt; wenn Israel z.B. im Götzendienst scheitert, ist einer der Aspekte des Gottesnamens vorher aus dem Blick geraten. Weil der Name "Jahwe" geradezu zum Inbegriff der Gottesbeziehung Israels wurde, sprach man ihn aus höchster Wertschätzung immer seltener aus, um ihn nicht seines Inhalts zu entleeren. Ein zweiter Grund kommt hinzu: im alten Orient spielte der Name eine überragende Rolle. Er deutete ein Lebensprogramm an; deshalb nahmen z.B. Könige einen Thronnamen an. Jemand einen Namen geben hieß, ihn in seine Gemeinschaft aufnehmen (vgl. Gen 2, 19f) oder zu unterwerfen (vgl. 2 Kön 23, 34). Der Name Gottes wirkt Segen und Schutz (vgl. Num 6, 27). Deshalb wurden Gottesnamen oft auf Amuletten oder in magischen Texten verwendet. Diesem Mißbrauch sollte der Name "Jahwe" entzogen bleiben. Die Rabbiner setzten deshalb nach und nach durch, daß er nicht mehr ausgesprochen, sondern umschrieben wurde.
Selbst Jesus hielt sich an diesen Brauch. Er spricht vom Vater; ansonsten bedient er sich derselben Umschreibungen wie seine Zeitgenossen. Dabei ist es in der Kirche geblieben. Eine bedeutsame, theologisch sehr tiefe Ausnahme macht erst der Evangelist Johannes: In einem Streitgespräch über die (Heils-)Bedeutung Jesu bzw. Abrahams sagt Jesus: "Amen, Amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich." (Joh 8, 58; ähnlich 8, 24 u. 28). Jesus nimmt damit in Anspruch, in seiner Person die im Namen "Jahwe" zugesagte Gegenwart Gottes bei seinem Volk zu schenken; in seiner Person wird die Zusicherung der hilfreichen, befreienden Nähe Gottes "greifbare" Wirklichkeit. Jesus selbst ist von nun an der "Ort", an dem der Mensch in der Welt Gott begegnen kann.

Spirituell wäre es lohnend, im einzelnen die oben dargelegten Aspekte des Gottesnamens "Jahwe" auf Jesus hin zu deuten und zu betrachten. Weiterhin wäre es wertvoll zu bedenken, was wir eigentlich beim Kreuzzeichen sagen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes; Joh 8, 28 gibt eine Hilfestellung zur geistlichen Deutung.

Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Dein Name werde geheiligt,
nicht verschwiegen, sondern geredet und geschrien,
gedacht und aufgeschrieben, gerufen und gesungen.
Dein Name werde geheiligt.

Gotteslob Nr. 763

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