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Was heißt: "Christus hat uns erlöst?" - Erlöst wovon?

Der Begriff "Erlösung" faßt zusammen, daß alle Menschen durch Jesus Christus von Gottferne, Verzweiflung und Tod befreit worden sind. Um dazu einen Zugang zu finden, muß man Kreuz und Auferstehung Jesu zusammensehen, wie es vor allem das Johannesevangelium konsequent vorführt.

Die Hl. Schrift bedient sich einer ganzen Reihe von meist alttestamentlich inspirierten Bildern, die das Heilsgeschehen des Todes Jesu ausdrücken: "Loskauf aus der Knechtschaft der Sünde" (vgl. Gal 3, 13), "Rechtfertigung" (1 Petr 1, 18), Lebenshingabe als "Lösegeld für viele" (Mk 10, 45; Gal 1, 4), "Sühne für unsere Sünden" (Röm 3,25) usw. Die Vielfalt dieser Ansätze birgt ungewollt die Gefahr, daß die kirchliche Verkündigung ihren gemeinsamen Grundgedanken nicht genügend vermittelt: Jesus geht den Weg nach Golgotha nicht für sich; er geht ihn für uns! Er nimmt uns auf diesem Weg gewissermaßen alle Lasten ab und trägt sie ans Kreuz; diese Lasten sind all das, was uns von Gott trennt.

Bildlich gesprochen schafft diese "Entlastung" Raum für etwas Neues: unser Heil. Die Bibel drückt diese Heilung unseres verwundeten Menschseins wiederum in einem großen Reichtum einzelner Gesichtspunkte aus: Vergebung der Sünden, Versöhnung des Menschen mit Gott (vgl. Röm 5, 11; 1 Joh 2,2,), Befreiung und Rettung (Röm 5,9; Kol 1,13), Heiligung (1 Thess 4, 3 u. 7), als Gemeinschaft und Frieden mit Gott und den Menschen (1 Kor 1, 9), als Anteil an Gottes Leben und Natur (Röm 8, 29) usw. All das sind Früchte der Erlösung, die uns Jesus Christus vermittelt. Sie werden dem Menschen schon jetzt zu eigen, wenn er umkehrt, glaubt, sich taufen läßt und bereit wird, Jesus in Bekenntnis und Tat nachzufolgen.

In Jesu Auferweckung von den Toten gibt Gott ein Zeichen einmaliger Tragweite, daß "Erlösung" kein "vielleicht" darstellt, sondern Tatsache ist. Sichtbar wird das vor allem an der Überwindung der Macht des Todes: Jesu Tod am Kreuz ist nicht Ende, sondern der endgültige Anfang; Jesus Christus ist der erste derer, die zu neuem Leben auferweckt werden. Er ist nicht nur für uns gestorben, sondern auch für uns auferstanden: Seine Auferstehung ist der Grund für unsere Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung (vgl. Röm 6,5; 1 Kor 15, 12-22). In Christus ist so unsere Zukunft neu und endgültig erschlossen.

Seine Auferstehung ist die Gewähr, daß am Ende das Leben über den Tod, die Wahrheit über die Lüge, die Gerechtigkeit über das Unrecht und die Liebe über den Haß siegen wird. Das alles hat bereits begonnen: "Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben" (Röm 6,4). Als neue Menschen leben wir dann, wenn wir in unserem alltäglichen Christsein bewußt Gottes Neuanfang, unsere Erlösung, als bestimmende Kraft anerkennen und umsetzen. Diese Chance ist in unserer Taufe begründet, sie gilt es unser Leben hindurch zu nutzen.
Der verstorbene Bischof von Rottenburg, Georg Moser, nennt das: österlich leben. "Was an und durch Jesus Christus geschah, das ist für uns geschehen ... Österlich leben heißt, einen neuen Standort haben. (Wer) einen höheren Standort hat, kann freier atmen und hat bessere Übersicht ... Österlich leben heißt aber auch: bekunden, was ich selber erfahren habe.

Ostern ist öffentlich ... Und österlich leben heißt zudem, den Weisungen des Auferstandenen gehorchen." Dazu sendet der Herr die Jünger nach Galiläa voraus (Mt 28, 10); ihr Aufbruch ist erstes Zeugnis für den Auferstandenen.

Die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus ist neues Leben für alle, die an Jesus glauben. Das ist das Geheimnis seines Leidens und seiner Auferstehung, das wir dringend kennen und leben müssen. Nicht umsonst kam das Leben zum Tod. Denn auf Christus hatte der Tod kein Anrecht.
Augustinus

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