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Gott oder göttliche Kräfte?

Von mehreren Fragestellern wird die Beziehung zwischen Gott und Mensch als eine Art Kraft verstanden, die sich im Menschen konzentriert, ihm aber eigentlich fremd bleibt. Um das Wirken der "göttlichen Kräfte" nicht zu beeinträchtigen, müsse alles Menschliche durch Meditation zurückgedrängt werden; Familie, Beruf, ja selbst der Gottesdienst "stören" nur.

Weiterhin werden nicht gerade billige Kurse angeboten, in denen erlernt werden soll, die im Menschen wohnende göttliche "Kraft" durch Handauflegung auf andere zu übertragen, um sie dadurch in eine Art göttliches "Kraftfeld" einzubeziehen. Wenn sich die eigenen Kräfte im Beruf und im Alltag verschleißen, versuchen andere, sich durch "Anbohren" der göttlichen Kraftquelle in ihrem Inneren zu regenerieren. Derartige Auffassungen beruhen teils auf fernöstlichen Vorstellungen, teils auf "Gnosis", einer nichtchristlichen bzw. scheinchristlichen Lehre, die gegenwärtig unter dem Stichwort "Esoterik" Urständ feiert.

Verschiedene Stellen der Hl. Schrift bringen eine sehr innige Beziehung zwischen Mensch und Gott zum Ausdruck. Jesus sagt z.B. in Joh 14, 20: "Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch." Dabei handelt es sich um eine personale Beziehung, nicht um eine Kraft. Dem Menschen steht nach christlicher Auffassung in Gott ein "Du" gegenüber, nicht ein "Etwas". Einer "Kraft" ist man ausgeliefert; man kann von ihr nicht geliebt werden, man kann sie nicht lieben und nicht zu ihr beten. In die Beziehung zum Vater und zu Christus birgt sich der Mensch hingegen liebend ein: "Wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren" (Joh 14, 21).

Unser Menschsein ist kein Hindernis für diese Beziehung. Gott selbst ist Mensch geworden; er hat darin unser Menschsein vorbehaltlos angenommen. Der Hl. Athanasius schreibt: "Weil der Tod von den Menschen her über die Menschen herrschte, geschah auch die Aufhebung des Todes und die Auferstehung des Lebens durch die Menschwerdung Gottes, des Wortes." Meditation "produziert" nichts. Sie kann nur dem nachspüren, was Gott schon längst für uns getan hat! Es liegt nicht in der Hand des Menschen, Gottes "Kraft" zum Durchbruch zu bringen; das hat Gott nicht nötig. Unsere Aufgabe ist, glaubend und aus Glauben handelnd auf das Heilsgeschehen in Jesus Christus zu antworten. Das tun wir in und mit unserem menschlichen Leben, nicht gegen es!

Christus hat uns bereits erlöst. Deshalb können wir als neue Menschen in der liebenden Beziehung zu Gott leben. Der Hl. Athanasius schreibt: "Gott, das Wort des allgütigen Vaters, verließ das von ihm selbst geschaffene Menschengeschlecht nicht, als es ins Verderben geriet, sondern vernichtete den Tod, der über uns gekommen war, durch das Opfer seines eigenen Leibes. Er sorgte durch seine Lehre dafür, daß unsere Nachlässigkeit aufhörte, und brachte durch seine Macht alles, was die Menschen betrifft, wieder in Ordnung."

Darin einbezogen sind wir durch die von Christus gestifteten Sakramente, vor allem Taufe, Firmung und Eucharistie. Weder pseudo-rituelle Handauflegungen, noch "Kraftfeldübertragungen" können dazu etwas beitragen; sie versuchen vergeblich, die Sakramente zu ersetzen!
Wenn Menschen z.B. im Beruf unter übergroßem Erwartungs- und Leistungsdruck zu zerbrechen drohen, liegt das Problem in verschiedenen Grundbedingungen moderner Leistungsgesellschaft und deren Lebensgewohnheiten. Oft wird das Gegenteil suggeriert: der Mensch müsse noch besser, noch leistungsfähiger, noch anpassungsfähiger werden. Der Versuch, sich in einem so äußeren Sinn aus einer göttlichen "Kraftquelle" zu regenerieren, macht aus Gott im Grunde ein leistungssteigerndes Medikament. Wird Gott derart in Dienst genommen, verwechselt der Mensch fast zwangsläufig sein eigenes Wollen und seine psychischen Kräfte mit Gott. Das biblische Beispiel dazu ist der Turmbau zu Babel (Gen 11, 1-9). Das Ergebnis trägt den Namen Babel (Wirrsal).

Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Joh 15, 14

oder:

Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Joh 15, 14f

 

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