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Bereit sein für Gott

Ein Gesprächspartner beklagt, daß es nicht gelingen will, aus der Meßfeier etwas "mitzunehmen". Es bleibe kaum mehr als ein flüchtiger Eindruck, der nicht ausreiche, den Alltag vom Glauben her zu prägen.

Die erhoffte Wende scheint mir weniger in einem zu lösenden "spirituellen Knoten" als in einem Weg zu liegen. Erste Station auf diesem Weg sollte sein, die innere Auseinandersetzung mit dem zu vertiefen, was in der Messe gefeiert wird und geschieht. Das ist möglich durch Einstimmung. Dabei kommt es nicht darauf an, viel Zeit zu investieren, sondern daß man überhaupt innerlich bereit wird, Gott im Wort und Sakrament zu begegnen. Solche Vorbereitung könnte darin bestehen, daß man den Text mindestens einer Lesung vorher durchliest und in ruhiger Umgebung bedenkt. Die Verkündigung des Wortes in der Meßfeier lebt nicht vom Überraschungseffekt; liest man z.B. die Predigt eines Kirchenvaters, merkt man rasch, daß er eine gewisse Vertrautheit der Gemeinde mit den biblischen Texten des Gottesdienstes voraussetzt! Wo eine solche Vertrautheit fehlt, sollte sie gesucht werden. Die anstehenden Texte sind leicht erreichbar: sie sind in der SonntagsZeitung mit gutem Grund abgedruckt; den vollständigen Text des Wortgottesdienstes und der Mahlfeier enthält das kleinformatige "Schott-Meßbuch für die Sonntage", eine unerschöpfliche Quelle zur geistlichen Betrachtung.

Das spirituelle Grundproblem scheint mir jedoch darin zu liegen, daß wir in unserem Alltag vor allem für die Gegenwart leben. Wenn wir einen Blick in die Vergangenheit werfen, dient auch er oft nur dazu, uns für die Gegenwart besser zu rüsten. Was fast ganz ausfällt, ist die Zukunft. Wir greifen wohl manchmal planend in sie hinein, aber fast immer nur gedrängt von einem gegenwärtigen Anliegen. Spirituell gesehen werden wir dadurch taub für Verheißung: was Gott in der Zukunft mit uns vorhat oder für uns bereithält, sickert nicht ein, weil wir meinen, das nicht zu brauchen; in der Gegenwart geht es ja auch so!

Man muß sich klarmachen, daß Jesu Tod eine Tatsache der Vergangenheit ist; dennoch bekennen wir, daß er für uns gestorben ist; denn Gott hat bewirkt, daß das Heilende dieses geschichtlichen Ereignisses unsere Gegenwart erfaßt und sogar noch darüber hinausreicht. Jesu Auferstehung ist eine Glaubenstatsache, deren Bedeutung keineswegs nur an der darauffolgenden Begegnung mit den Jüngern ablesbar ist. Begegnung mit dem Auferstandenen geschieht auch jetzt und in Zukunft. Vorausblickend sagt Jesus: "Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen" (Joh 16,12f). Jesus verheißt das den Jüngern, aber auch uns und sogar noch in eine viel weitere Zukunft hinein. Deshalb ist es so wichtig, wach zu bleiben (vgl. Lk 12, 35ff), damit man nicht verschläft, was sich im Hl. Geist anbahnt.

Meister Eckhart, der große Theologe und Mystiker aus dem Dominikanerorden, faßt das so zusammen: "Gott ist allzeit bereit, wir aber sind unbereit. Ist man aber unbereitet, so verdirbt man die Gabe und Gott mit der Gabe. Das ist auch der Grund, weshalb uns Gott nicht allzeit geben kann, wie wir es erbitten. An ihm fehlt es nicht, denn er hat es tausendmal eiliger zu geben als wir zu nehmen. Wir aber tun ihm Gewalt an und Unrecht damit, daß wir ihn an seinem natürlichen Wirken hindern durch unsere Unbereitschaft". Die Eckhart-Forscherin K. Johne kommentiert: "Damit wird die "Bereitschaft", das Sich-bereiten für Gott zur wichtigsten Aufgabe des Menschen überhaupt. Bereit bin ich aber in dem Maß, wie ich mich selbst loslasse und mich Gott völlig überlasse." Das gilt es vertrauend einzuüben.


Das ist es, auf das ich es in allen meinen Predigten abgesehen habe, daß ein Mensch Gott allezeit nahe und gegenwärtig sein soll, so daß ihn nichts von Gott entfernen kann, weder Glück noch Unglück, noch irgendeine Kreatur.

Meister Eckhart

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