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Gottes Reue über die Schöpfung des Menschen

Im Hintergrund eines Briefes steht Gen 6, 5 ff: "Der Herr sah, daß auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und daß alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh". Der Fragesteller sieht ein Spannungsverhältnis zwischen dem allwissenden Schöpfergott und seiner Reue über die Schöpfung des Menschen. Tatsächlich scheint die Stelle und die folgende Sintfluterzählung nahezulegen, Gott sei die "Kontrolle" über seine Schöpfung entglitten; in der Sintflut hätte er sie sich gewissermaßen neu erkämpft.

Zunächst ist der Textzusammenhang von Bedeutung. Gott sah, daß seine Schöpfung sehr gut war (Gen 1, 31); daran ist abzulesen, daß Gott eine Heils-Ordnung geschaffen hat. Zu ihr gehört, daß der Mensch aus freiem Willen, nicht als leblose Marionette, in dieser Ordnung steht. Die Möglichkeit zur Abwendung von Gott ist die Kehrseite dieser Freiheit. Die biblische Urgeschichte zeigt auf, daß der Mensch die falsche Entscheidung getroffen hat. Er verweigert Gott den Gehorsam, um selbst wie Gott zu werden (Gen 3, 5 ff), d.h. er will den Unterschied Schöpfer/ Geschöpf aus eigener Kraft aufheben. Der erste Ungehorsam setzt sich fort in Gewalttat, von Kain und Abel bis zu Feststellung: die Erde war voller Gewalttat (Gen 6, 11). Nach Kardinal John H. Newman gleicht die Welt einem zerbrochenen Spiegel. Ungehorsam und Gewalttat, also menschliche Schuld, hat Vollkommenes zerbrochen; die Gottesebenbildlichkeit des Menschen ist nur noch durch Risse hindurch sichtbar. Das stellt keine Überraschung für den allwissenden Gott dar, sondern eine Enttäuschung für den liebenden Gott!

Von daher erschließt sich ein Zugang zum Wort von der "Reue Gottes". Für den alttestamentlichen Menschen stand die Erfahrung im Mittelpunkt, daß Gott in der Geschichte handelt. Er konnte davon nicht anders als in menschlichen Worten sprechen. Selbstverständlich war klar, daß Gott nicht wie ein Mensch Reue empfindet (1 Sam 15, 11.29)! Deshalb ist die "Reue Gottes", den Menschen geschaffen zu haben, kein Selbstvorwurf, etwas falsch gemacht zu haben. Das Wort drückt vielmehr den Schmerz Gottes darüber aus, daß der Mensch sich von ihm abgekehrt hat; das selbstverschuldete Leid in Gottferne und Untergang ("Sündenflut") ist zugleich Gottes eigenes Leid. Es veranlaßt ihn nicht zu "Nachbesserungen" an der Schöpfung; er entzieht dem Menschen nicht den mißbrauchten freien Willen. Er bleibt vielmehr sich selbst treu und wirkt die Rettung des verlorenen Menschen in der Heilsgeschichte. Er birgt Noach in der Arche. Er sandte seinen Sohn: "Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe...zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet" (Eph 2, 4f).

Die Allmacht Gottes, seine absolute Vollkommenheit, konkurriert nicht mit dem freien Willen des Menschen. Sie garantiert, daß sich der göttliche Heilsplans innerhalb der geschaffenen menschlichen Freiheit durchsetzt, nicht etwa gegen sie.

Ich bin überzeugt, der Fragesteller hätte im betrachtenden Nachdenken über Gen 6 selbst einen Zugang gefunden, wäre da nicht eine verschwommene Angst vor dem Ergebnis. Zweifellos ist es richtig und notwendig, die eigenen Glaubenserfahrungen an denen der Kirche zu messen und gegebenenfalls zu korrigieren. Angst ist jedoch überflüssig. Der Hl. Gregor ermutigt: "Die Hl. Schrift überragt unvergleichlich alle Wissenschaft und Lehre. Sie spricht Wahrheiten aus, ruft aufwärts zur himmlischen Heimat, wendet das Herz des Lesers von irdischen Wünschen ab und läßt Überirdisches lieb gewinnen. Geistesstarke Leser schult sie in ihren dunklen Aussagen und kindliche gewinnt sie mit schlichter Redeweise. Sie ist nicht so unzugänglich, daß man sich vor ihr scheuen müßte, aber auch nicht leichthin verständlich, daß man sie gleichgültig nimmt. Auch bei häufigem Lesen läßt sie keinen Widerwillen aufkommen, hingegen liebt man sie um so mehr, je ausgiebiger man sie besinnlich liest".

Rede, Herr, ich höre. Du hast Worte des ewigen Lebens. Herr, laß nicht zu, daß ich dein Wort nur höre, aber nicht aufnehme; glaube, aber nicht bewahre; kenne, aber nicht tue. Herr, laß mich aus deinem Wort leben und dich durch mein Leben verherrliche.

Gotteslob Nr. 19, 1

oder:

Heiliger Geist, erleuchte und führe mich, bewege und stärke mich, verwandle und heilige mich.
Gotteslob, Nr. 19, 4

 

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