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Aus dem Grab erstanden - zu welchem Leben?

Die Reaktionen auf meinen Beitrag "Starb Jesus in Indien?" belegen Verunsicherung. Ein in seiner Ernsthaftigkeit erfreulicher Leserbrief spiegelt den Eindruck, den Bücher der Produktserie "Jesus in Indien-Legende" hinterlassen haben. Danach ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Die Frage lautet: "Gehen die katholische Kirche und die erwähnten Schriftsteller nicht von ein und derselben These aus, nämlich daß Jesus wirklich lebte?"

Nein. Denn die betreffenden Autoren nehmen an, daß Jesus die Kreuzigung überlebte. Sie müssen dies annehmen, da ohne "Scheintod-Hypothese" ihren übrigen abenteuerlichen Gedankengebäuden der Boden entzogen wäre. Schließlich kann ein gestorbener Jesus nicht nach Indien gehen. Liegt tatsächlich "bis heute kein Beweis" für Jesu Tod am Kreuz vor? Wie beweist man den Tod eines Menschen vor rund 2000 Jahren? Anhand schriftlicher Quellen, wobei die Nähe zu den Ereignissen und die Textüberlieferung eine Rolle spielen. Angesichts der Quellen hat meines Wissens noch niemand bezweifelt, daß z.B. der Kaiser Augustus gestorben ist. In Bezug auf Jesus besteht dazu genausowenig Grund. Es wird mit guten Argumenten ein schriftlicher Passionsbericht erschlossen, den der Evangelist Markus bereits als Quelle benutzt hat. Dann lägen zwischen dem Tod Jesu am Kreuz und dessen Abfassung möglicherweise nur 7 Jahre, nach anderen Ansatzpunkten 15-20 Jahre. Selbst wenn Markus "nur" auf mündliche Überlieferungen zurückgegriffen hat, liegen für ihn die Ereignisse nicht wesentlich weiter zurück, als für uns die Ermordung des Präsidenten Kennedy.

Es gibt dazu Erinnerungen, schriftliche Augenzeugenberichte, vielleicht sogar noch lebende Augenzeugen. Im übrigen sucht die Textüberlieferung des NT ihresgleichen. Das wichtigste Kriterium ist jedoch die innere Glaubwürdigkeit. Auch in diesem Punkt hat das Feuer jahrhundertelanger kritischer Überprüfung ergeben: Es gibt im Leben Jesu einen Punkt, der unbedingt feststeht. Das ist sein Tod am Kreuz. Wenn sogar der Römer Tacitus um 115 in seinen "Annalen" beiläufig die Hinrichtung Jesu unter Pontius Pilatus erwähnt, dann meint er eine vollzogene Hinrichtung und nicht eine, deren Opfer unter den Augen römischer Besatzungstruppen und der Tempelaristokratie als wiedererwachter Scheintoter durch Jerusalem wandert. Die reichen Ergebnisse kritischer biblischer Forschung muß man nur zur Kenntnis nehmen wollen; genau da liegt das Problem der Autoren der "Jesus in Indien-Legende".

Die Antwort auf die Frage des Briefschreibers lautet nochmals: nein. Denn die Kirche entnimmt der Hl. Schrift und der Tradition keineswegs, daß Jesus nach seiner Auferstehung ein menschliches Leben wie das unsere (wieder-)aufnahm. Wenn Jesus ab dem dritten Tag nach seinem Begräbnis als erwachter Scheintoter durch Jerusalem und das Hl. Land gezogen wäre, hätte sich die Auferstehungsbotschaft keinen Tag lang halten können. Der Grund ist einfach: die jüdische Auferstehungshoffnung richtete sich ebensowenig wie die unsere auf eine Rückkehr ins diesseitige menschliche Leben. Weder die Jünger, noch ihre Zuhörer hätten so etwas als Erfüllung ihrer Auferstehungserwartung ernst nehmen können. Jesus ist in die Wirklichkeit des Vaters hinein auferstanden!

Deshalb ist er in der Sprache des NT "erschienen". Deshalb fällt der Glaube daran so schwer. Deshalb wird Jesus in einigen Szenen nicht sofort erkannt, sondern muß sich -unverfügbar für die Jünger- zu erkennen geben. Andererseits ist er derselbe, den die Jünger kannten; er spricht, er ißt, er läßt sich anfassen, er wird erkannt. In diesen Gegensätzen drückt die Hl. Schrift mühsam aus, wofür wir keine Worte haben, weil es außerhalb unserer menschlichen Erfahrung liegt: Jesus ist wahrhaft auferstanden von den Toten. Er nimmt, erkennbar an seinen Wundmalen, seine menschliche Existenz und Geschichte in die Auferstehung hinein. Er lebt, aber entgrenzt von unseren Grenzen, einschließlich der des Todes. Wir Glaubende können ihm auch darin nachfolgen. Das ist die Auferstehungshoffnung der Christen. Nur das verdient den Jubelruf: Tod, wo ist dein Sieg?

Als sie zu Jesus kamen und sahen, daß er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floß Blut und Wasser heraus. Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, daß er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
Joh 19, 33-35

oder:

Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, daß er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
Joh 19, 33-35

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