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Zukunft erschließen

Ganz verschiedene Menschen schreiben von schweren Problemen und dem damit verbundenen Leid. Zerbrochene Ehen und Beziehungen, zerstörtes Vertrauen, schwere Krankheit, Tod eines nahestehenden Menschen, gescheiterte Pläne, geplatzte Träume - die Liste tiefer Lebenskrisen ist lang. Gemeinsam ist ihnen, daß Tatsachen im Raum stehen, die nicht oder nicht ohne weiteres umkehrbar sind; auch dieser Beitrag kann Probleme nicht einfach aus der Welt schaffen. Mit solchen Lebenskrisen verbunden ist fast regelmäßig, daß die Betroffenen gedanklich so sehr um sie kreisen, daß sie daran zu zerbrechen drohen. Was habe ich falsch gemacht? Wie konnte es nur so weit kommen? Habe ich etwas versäumt? Diese und ähnliche Fragen zehren die letzten Kräfte auf, weil es keine echte Antwort gibt; sie richten den Blick geradezu starr auf einen Punkt der Vergangenheit und halten die Betroffenen an diesem Lebenspunkt fest. Entwicklung kommt zum Stillstand, Lebensperspektiven erstarren (vgl. Gen 19, 26).

Eine erste biblische Antwort steht in 1 Kö 19, 3 ff. Der Prophet Elija stand vor den Trümmern seiner Hoffnungen und Ziele; im Scheitern entzieht er sich seinem prophetischen Auftrag, er flieht in die Wüste, d.h. er isoliert sich. Seine Vergangenheit ist ein Trümmerfeld, eine Zukunftsperspektive fehlt; er wünscht sich den Tod. Gott spricht in diese Situation hinein: "Steh auf". Er bietet mit Wasser und Brot neue Lebenskraft an. Beim zweiten Mal gibt Gott noch Entscheidenderes dazu, nämlich eine neue Lebensperspektive: "...sonst ist der Weg zu weit für dich". Da stand Elija auf und wanderte zum Gottesberg Horeb. Indem Elija dem Anruf Gottes Folge leistet und aufsteht, erhebt er sich aus der Verzweiflung. Indem er den gewiesenen Weg geht, verändert sich sein Blickwinkel. Zukunft wird erschlossen.

Mag ein Mensch von noch so großen Problemen und Krisen belastet sein: Gott spricht dasselbe Wort "Steh auf!" und er zeigt dieselbe Lebensperspektive, nämlich einen neuen Weg und die Kraft, ihn zu beginnen. Die Aufgabe besteht darin, Gottes Anruf nicht zu überhören und den Blick soweit zu heben, daß der Anfang des gewiesenen neuen Weges wahrgenommen werden kann.
Woher soll in den angesprochenen tiefen Lebenskrisen der Mut dazu kommen? Das Alte Testament entwickelt die Antwort in erstaunlicher Breite am Bild der zerstörten Stadt Jerusalem. Sie ist nach systematischer Kriegszerstörung ein Trümmerhaufen; mit der Stadt ist das Reich und das Königtum untergegangen; noch schlimmer ist, daß die Beziehung zu Gott ebenso abgebrochen zu sein scheint wie der Tempelkult. In dieser hoffnungslosen Situation setzt Gott durch ein Verheißungswort einen neuen Anfang: "So spricht der Herr der Heere: Mit großem Eifer trete ich ein für Zion, ich setze mich glühend ein für Jerusalem. So spricht der Herr: Ich kehre zurück nach Zion und wohne wieder in Jerusalem. Dann wird Jerusalem "Stadt der Treue" heißen und der Berg des Herrn der Heere "Heiliger Berg". (...) Wenn das dem Rest dieses Volkes in jenen Tagen zu wunderbar erscheint, muß es dann auch mir zu wunderbar erscheinen? - Spruch Gottes des Herrn (Sach 8, 2 f.6).

Gott selbst steht auf der Seite der Verzweifelten und ergreift ihre Partei. Seine Nähe ist die Garantie des Neubeginns. Die Namensänderungen deuten an: Das Rad der Geschichte wird nicht zurückgedreht, wiederbelebt wird nicht eine Vergangenenheit. Gott ergreift vielmehr die Initiative für einen so zukunftsorientierten Neuanfang, daß er nur mit einem neuen Namen zutreffend benannt werden kann. Stadt und die Gottesbeziehung sind neu gebaut worden, obwohl es dem Volk zu wunderbar erschien. Ist es für Gott zu wunderbar, weitere Lebensperspektiven neu erstehen zu lassen?

Er führte mich hinaus ins Weite,
er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.
Du Herr, läßt meine Leuchte erstrahlen,
mein Gott macht meine Finsternis hell.

Psalm 18, 20.29

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