Links
Kontakt
Impressum
zur Startseite Bildmeditation
 
 
Sie befinden sich hier:

"Wie kommt unser Bibelkreis aus seinen eingefahrenen Gleisen heraus?"

Die anfängliche Freude eines Teilnehmers an Bibelgesprächen schwindet. Bei jedem Treffen sind die Beiträge aus der Runde im Grunde dieselben. Es kommt zu fruchtlosen Diskussionen. Mit jeder Bibelrunde ist zugleich die Sache abgeschlossen; offen bleibt, was man mit den Beiträgen der Teilnehmer anfangen soll.

Dem Brief ist zu entnehmen, daß die Bibelrunden aus Textlesung, Stille, Beiträge der Teilnehmer und Abschlußgebet bestehen. Das entspricht z.T. der Methode des Bibel-Teilens. Es fehlen jedoch wichtige Schritte, worin einige der Schwierigkeiten wurzeln.

Am Beginn sollte (1.) ein vorbereitetes oder spontanes Gebet stehen, das durch Gebetsgedanken und -bitten anderer Teilnehmer ergänzt werden kann. Wichtig ist die innere Sammlung und Öffnung auf Gott hin; sie vermeidet die Gefahr, daß die Bibelrunde sich unbeabsichtigt zu einer Art Textanalyse-Ausschuß wandelt. Darauf folgt (2.) die (mehrmalige) laute Textlesung. Jeder Teilnehmer soll sich (3.) bewußt für das ihm wichtigste Wort oder den wichtigsten Satz entscheiden und einbringen. Das braucht Zeit, damit nicht irgendetwas gesagt wird, nur weil man bereits mit Reden "dran" ist. Das kommentarlose Vortragen und Hinhören auf die Beiträge wird durch nochmalige Lesung des ganzen Textes abgeschlossen. Darauf folgt (4.) eine Phase der Stille. Sie ist oft zu kurz oder wird für die Planung des eigenen Beitrags verwendet. Statt dessen sollte die ganze Stelle oder zumindest die Gesamtheit der mitgeteilten "wichtigen Worte" bedacht werden; es geht um das betrachtende Einfühlen in Gottes Wort an uns. In einer Folge von Teilnehmerbeiträgen soll (5.) vorgetragen werden, was dem Einzelnen wichtig ist, was aufgefallen ist, was bewegt.

Die Beiträge müssen keineswegs die Begründung oder Verteidigung des eigenen "wichtigen Wortes" beinhalten. Allzu schematisches Vorgehen schadet ebenfalls; ein Teilnehmer muß die Freiheit haben, ohne "Gesichtsverlust" zu warten oder zu schweigen. Die skizzierten Problem des Bibelkreises dürften vor allem darauf beruhen, daß der wichtigste Schritt ausfällt: (6.) "Wir besprechen, was der Herr von uns will". Hier soll ein zwangloses Gespräch zu folgenden Fragen zustandekommen: Wie hat sich die letzte Bibelrunde ausgewirkt? Welche Erfahrungen und Beispiele bei der Umsetzung in den Alltag haben sich ergeben? Welche Aufgabe erkennt der Einzelne aus der aktuellen Bibelrunde? Gibt es einen Impuls, einen "Programmsatz", den jeder mit nach Hause nehmen kann? Welche Anregung zum Gebet, zur vertiefenden Betrachtung oder zum gemeinsamen Handeln hat sich ergeben? Das Schlußgebet (7.) faßt mit Blick auf (6.) Dank, Freude, Sorge und Bitte zusammen und trägt all das vor Gott.

Die Methode "Bibel-Teilen" ist nicht für alle Bibelstellen geeignet. Eine schematische Orientierung an deiner der Sonntagslesungen belastet die Gruppe mit dem Problem, daß diese zuweilen aus dem Zusammenhang gerissen, gekürzt oder zusammengestückelt sind.

Sehr fruchtbar ist ein Wechsel zwischen mehreren Methoden. Ich teile eine davon mit, die zugleich für die Bibelarbeit des Einzelnen nützlich ist. Man benötigt Textkopien und Schreibmaterial. Jeder Teilnehmer kennzeichnet (nach Gebet und Textlesung) in stiller Einzelarbeit in seiner Kopie: mit "?", was unklar ist; mit "!", was ihm wichtig ist; mit "*", was im Text gefühlsmäßig anspricht; mit "#", was in ihm Widerstand hervorruft. In einem zweiten Teil wird Satz für Satz anhand der Markierungen durchgesprochen, wobei niemand zur Äußerung oder Begründung gedrängt werden darf. Nach meiner Erfahrung empfiehlt sich ein dritter Teil, in dem "eingesammelt" wird; für das "Wie?" kann man sich zwanglos an (5.) bis (7.) des Bibel-Teilens orientieren. Bei der Bibelarbeit des Einzelnen steht anstelle des Gesprächs eine vertiefende Betrachtung; das "Einsammeln" sollte in die schriftliche Zusammenfassung eines "Leitsatzes für den Alltag" münden.

Herr, du mein Gott! Wer sucht dich mit lauterer und einfacher Liebe, und wird dich nicht sehr seinem Geschmack und Willen entsprechend finden? Zeigst du dich doch als erster und gehst denen entgegen, die sich nach dir sehnen!
Johannes vom Kreuz

Seite drucken
zurück  zur Übersicht  nächste
  nach oben zum Seitenanfang

 
© Dominikanerprovinz St. Albert - XV/V/MMIII