Links
Kontakt
Impressum
zur Startseite Bildmeditation
 
 
Sie befinden sich hier:

Familienstreit um die Taufe

Eltern freuen sich über die Geburt ihres Kindes, die Großeltern freuen sich über ihr Enkelkind. Wenn Großeltern die Taufe des Kindes zur Sprache bringen, stoßen sie bei den Eltern zuweilen auf Vorbehalte oder ein klares Nein. Kommt das Thema immer wieder zur Sprache, führt es zu Entfremdung oder Konflikten. Die Betroffenen werden ratlos: einerseits ist die Taufe wichtig, andererseits möchten sie das gute Einvernehmen in der Familie nicht zerstören.

Eine solche Ratlosigkeit mag damit zusammenzuhängen, daß Argumente fehlen, warum die Taufe eigentlich so wichtig ist. Im Neuen Testament und in der kirchlichen Überlieferung wurden tiefe Überlegungen dazu entwickelt. Der Großelterngeneration wurde aus dieser Fülle oft nur vermittelt, daß die Taufe von der Verstrickung in die Ursünde und von allen Sünden befreit; andere Zugänge sind eher unbekannt. So zutreffend der Aspekt der Sündenvergebung durch die Taufe ist: die nächstjüngere Generation steht gerade dem reserviert gegenüber; das Wissen um die Ursünde mag verschwommen sein und die Befreiung von Tatsünden spielt bei einem Kleinkind naturgemäß keine Rolle.

Wo sich solche Schwierigkeiten zeigen, kann ein anderer wichtiger Gesichtspunkt der Taufe Interesse wecken und eine Brücke zu tieferer Beschäftigung mit diesem Sakrament bilden. Die Taufe ist Wiedergeburt zu einem neuen Leben! "Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen ... Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen" (Joh 3, 3 u. 5; ähnlich Tit 3, 5; 1 Petr 1, 3 u. 23). Bei diesem "neuen Leben" handelt es sich um eine Gabe Gottes, die zum menschlich-irdischen Leben hinzutritt und es durchwirkt. Diese Gabe ist so grundlegend, daß sie mit der menschlichen Geburt veranschaulicht werden kann: so wie das Neugeborene in diese Welt eintritt und mit ihr in Beziehung steht, so treten die aus Wasser und Geist "Wiedergeborenen" in das mit Jesus Christus angebrochene Reich Gottes ein und stehen fortan in einer unzerstörbaren Beziehung zu ihm. Eltern, die einem Kind das Leben geschenkt haben und die Beziehung zu ihm so intensiv erfahren, können sich darin einfühlen, welche Bedeutung dieses "neue Leben" aus der Taufe entfaltet; denn trotz der umwälzenden Erfahrung der Elternschaft können sie nicht wie Jesus sagen: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10, 19). Diese Fülle ist mit Jesus Christus und der Beziehung zu ihm verknüpft.

Wenn die Taufe eines Kindes nicht mehr selbstverständlich ist, kann darin sogar eine Chance liegen: Dann nämlich, wenn Eltern und weitere Familienangehörige beginnen, sich mit dem Sinn ihrer eigenen Taufe auseinanderzusetzen. Die Beschäftigung mit der Hl. Schrift oder den theologisch wie spirituell besonders tiefen Texten der Taufliturgie vermag manches Verschüttete wieder auszugraben und zu einer Belebung des eigenen Christseins beizutragen; Enttäuschungen oder Gleichgültigkeit können so einem Neubeginn weichen. Für die notwendige Begleitung der Kinder im Wachstum des Glaubens kann das nur von Vorteil sein.

Sollten selbst die besten Argumente ihre Wirkung verfehlen, wäre zu bedenken, daß ein gutes Ziel nicht mit den falschen Mitteln verfolgt werden kann. Streit um die Taufe ist keine gute Voraussetzung zu einer kirchlichen Feier; er baut weder die Beziehungen in der Familie auf, noch trägt er zu einem guten Klima für das Wachstum der Neugetauften im Glauben bei. Vielmehr wäre ein anderer Gedanke festzuhalten: Gott geht mit jedem Menschen einen ganz besonderen Weg. Er ruft sich auf immer neue Weise in Erinnerung. Begegnung mit Jesus Christus hinterläßt Spuren: "Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten" (Mk 1, 22).

Heilige dieses Wasser, damit alle, die in ihm auf den Tod und die Auferstehung Christi getauft werden, deinem Sohn ähnlich werden. (...) Heilige dieses Wasser, damit diese Kinder im Heiligen Geist wiedergeboren werden und deinem Volk angehören.
Aus dem Gebet zur Taufwasserweihe II

Seite drucken
zurück  zur Übersicht  
  nach oben zum Seitenanfang

 
© Dominikanerprovinz St. Albert - XV/V/MMIII